Dienstag, April 20, 2004

Osten

Ich schrieb einmal irgendwo, dass Osten eine gute Himmelsrichtung sei. Man fragte mich, warum gerade Osten. Ich wusste damals keine rechte Antwort. Neulich Abend fiel sie mir ein. Neulich, als ich nach der Arbeit auf dem Heimweg war. Als ich nach Osten fuhr. Als ich die tote Katze auf dem Fußweg sah. Und an meinen Hund dachte, der vor genau vier Jahren ihr Schicksal geteilt hat. Ich dachte daran, wie ich mit ihm stets nach Osten gegangen bin. Weil im Westen die Stadt lag. Menschen. Im Osten gab es nur Bauernhöfe, Wälder, Wiesen und uns. Ab und an begegneten wir ein paar Spaziergängern. An Sonn- und Feiertagen schon deutlich zu vielen. Die einzige Lösung war, noch weiter nach Osten zu gehen. Weiter weg von den kleinen Landstraßen mit den kleinen Parkbuchten. Wenn wir weit genug gingen, kamen wir an einen Zaun. Der umschloss die Kerspe-Talsperre. Trinkwasser-Reservat. Was blieb? Der U-Turn. Dann war es häufig so spät, dass alle Wochenend-Ausflügler bereits verschwunden waren. Im Frühling und Spätsommer genoss ich den Rückweg oft mehr als den Hinweg. Wenn wir die letzte Kuppe erklommen hatten und aus dem Wald traten, stand die Sonne schon niedrig. Das Licht hatte dann häufig diese ganz besondere Farbe. Nicht mehr durchdringend klar, aber auch noch nicht rötlich. Genau dieses Licht -- neulich Abend war es das gleiche. Und ich wollte nicht nach Osten fahren.