Dienstag, Mai 04, 2004

Mond und so

Stadt

Ich war nie ein großer Freund des Surrealismus. Ich war nie ein großer Freund von Max Ernst. Und ich war erst recht kein Freund seiner Grattage-Bilder. Und von denen mochte ich am allerwenigsten das wohl bekannteste -- Die ganze Stadt. Bereitete mir immer Unbehagen. Aber ich schwöre bei allem, was mir heilig ist: Als ich gerade nach hause fuhr, musste ich just an jenes Bild denken. Denn Mond und Himmel -- fast die gleichen Farben. Doch kein Unbehagen weit und breit. Eher eine diebische Freude darüber, dass meine Sinne nicht bei der Wahrnehmung enden. Hier angekommen kramte ich Buch mit Bild raus. Irgendwo musste das Unbehagen doch stecken. Aber auch beim Betrachten des Originals -- nichts. Zumindest kein Unbehagen. Im Gegenteil: Ich fand das Bild plötzlich ganz dufte. Das Alter stellt komische Sachen mit mir an.
Und wo ich gerade bei Bildern und Mond bin -- Naive Kunst fand ich hingegen schon immer ganz dufte. Und ziemlich superdufte Der Traum der Yadwigha von Henri Rousseau. Mit Mond. Arme Sau übrigens, der Rousseau. Ist 1910 arm wie eine Kirchenmaus in irgendeinem gammeligen Krankenhaus in Paris gestorben. In jenem Jahr, in dem er dieses tolle Bild gemalt hat. Und jetzt soll nur wer kommen und behaupten, bei mir könne man nichts lernen. Dem erzähl ich dann was von Frottage.

Henri