Mittwoch, Juni 16, 2004

A9, irgendwann heute Morgen

Stau. Aber das bin ich gewohnt. Der kam nicht erst mit der Baustelle. Mit der Baustelle kam die gerade entstehende Autobahnausfahrt, die mit dem gerade entstehenden Stadion durch eine gerade entstehende Brücke verbunden wird. Das Resultat: engere Fahrbahnen, permanente Angst um die Seitenspiegel.
Heute Morgen dann der erste Unfall, den ich bemerke. Auf der Gegenspur. Blechschaden, denke ich. Himmel, da gibt es nichts zu gaffen, ihr dummen Säcke, denke ich. Fahrt halt, denke ich. Man fährt -- langsam. An den Autos vorbei, die auf der Gegenspur am Rand stehen. Ohne sichtbare Dellen. Zuvorderst ein bunter VW-Van mit riesigem Blumenaufkleber auf der Motorhaube. Dahinter ein schwarzer Mittelklassewagen. Kann das Fabrikat nicht erkennen. Wiederum dahinter, aber weiter auf der Fahrbahn ein dunkelblauer Kleinwagen. Nissan Micra, glaube ich. Auf der Beifahrerseite sitzt eine junge Frau mit dunkelblonden Haaren. Sie schüttelt den Kopf. Schaut nach links. Noch kann ich nicht sehen, was sie sieht. Der schwarze Wagen ist im Weg. Dann, ein paar Meter weiter, zwei Männer. Einer vornübergebeugt. Kotzend. Der zweite legt ihm eine Jacke über die Schultern. Ich bin mittlerweile nah genug, um zu erkennen, dass wirklich nichts nennenswertes an den drei Wagen sein kann. Die berühren sich nicht einmal. Also Blick wieder nach vorne. Fühle mich ohnehin schon schmutzig, weil ich überhaupt geschaut habe. Fahre unter die Brücke. Sehe Rauch. Sehe die eine Hälfte eines weiteren Fahrzeugs. Die Hälfte schmiegt sich an den Brückenpfeiler. Die andere wohl auch -- nur auf der anderen Seite. Denn der Brückenpfeiler steckt bis zur Fahrgastzelle und darüber hinaus darin. Im Fahrzeug. Ich wende den Blick ab, kann aber aus den Augenwinkel noch etwas helles erkennen. Airbag. Bitte. Hoffentlich nur der Airbag. Dann bin ich vorbei. Und bin froh, dass ich die andere Richtung unterwegs bin. Unüberwindbar durch eine kleine Behelfsleitplanke von dem getrennt, was ich nur schemenhaft wahrnehmen konnte. Und eine weitere Sekunde später bin ich froh, dass es Menschen wie ihn gibt.