Dienstag, Oktober 25, 2005

Wenn man morgens gänzlich schmerzfrei einen nachts in Befindlichkeitsbloggerlaune verfassten, ziemlich langen und gar nicht mal so üblen, weil mit ein paar hübschen erzählerischen Brücken durchzogenen Text über die kürzlich abgehaltene Hochzeit der ältesten Schwester, Familien-Leiden, Familien-Freuden, Erinnerungen, noch mehr Erinnerungen und die wunderbare Freundin aus den Drafts löscht, weil das alles eigentlich keine Sau was angeht, dann fühlt man sich für ein paar Sekunden herrlichst von den eigenen Innereien emanzipiert. Das hält aber nicht lange vor. Spätestens beim bewusst gewollten Anschmeißen eines Utopia von Goldfrapp isses schon wieder vorbei damit. In diesem Zusammenhang (da ist einer, wirklich!) kann deswegen mit Nachdruck erwähnt werden, dass das Oberbergische gerade an fies windigen Herbsttagen einen ganz besonderen Reiz ausübt. Den bemerkt man aber wahrscheinlich nur während einer »Melancholie? Jetzt!«-Überlandpartie, wenn man a) dort aufgewachsen und b) mit einer Mischung aus »Ach weh!« und »Juhu!« von dort fort gezogen ist.

6 Comments:

Anonymous gloomy said...

Juhu vor allem deshalb, weil kein Karneval mehr, wa?
Gruß aus Rösrath.

18:36  
Anonymous Markus said...

Hähä, Heimatblues. Den kriegt jeder irgendwann, der von zu Hause wegzieht. Die einen kehren dann reumütig zurück in den Schoß des gewohnten Dialekts/Umgangs/Biersorte. Die anderen versuchen zwanghaft, sich das Leben in der Ferne schön zu reden und sind ein Leben lang latent unglücklich -- so sie es nicht schaffen, in der Fremde eine neue Heimat aufzubauen, mit Familie und so...

20:22  
Blogger Petra said...

markus, wenn deine welt so funktioniert, dann meinen aufrichtigen glückwunsch. oder mein beileid. such dir was aus.

21:09  
Anonymous Jens said...

meine größte vorstellung einer niederlage ist die, "nach hause" zurückzukehren. 15 Jahre fürn arsch, würde ich denken. grund für einen sofortigen kopfschuß.

21:28  
Blogger Falcon said...

Nicht nur das Oberbergische hat gewisse herbstliche Reize, auch das Plattrheinische nahe der hollänidchen Grenze kann im Herbst eine gewisse süsse Melancholie ausströmen - gerade bei leichtem Nebel.
Zum Glück beschränke ich mich ja in meiner Melancholiesucht auf einige wenige Tage im Jahr, weswegen sich der Schmerz meines Fortgangs aus der alten Heimat auf lediglich kleine Momente beschränkt. Und das vor allem deswegen, weil ja doch der eine oder andere (immer noch) gute Kumpel in der Ecke verblieben ist.
Und den neuen Billigfliegern sei Dank ist eine Tour von Berlin nach Aachen ja nun doch keine Weltreise mehr.
Aber dauerhaft zurück ? Nä, never ever !

09:53  
Anonymous Hot Mahony said...

a ja
b nein - Spreche aus Erfahrung !!

16:52  

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