Dienstag, November 15, 2005

Hier im Haus geht es ja in letzter Zeit zu wie im Taubenschlag. Also konkret eigentlich nur in der Mini-Wohnung (45qm oder so) unter meinen zwei nördlichen Zimmern. Letztes Jahr zog da Christina aus, die eingezogen war, nachdem Stefan ausgezogen war. Ich habe mal ein paar Monde neben Stefan wohnen dürfen. Zu Beginn meiner Zeit in Bayern. In der zweiten, ebenfalls eher kleinen Wohnung auf der ersten Etage. Stefans Bett muss damals genau neben meinem gestanden haben, nur auf der anderen Seite der Wand. Ich mutmaße das deswegen, weil [insert here: ich, Dirigentenstab, auf meinem Bett im Dunkeln stehend, den Takt für Stefan plus Gespielin (laut) vorgebend]. Tat ich natürlich nie wirklich, aber ich mag das aus irgendeinem Michael J. Fox-Film der 80er geklaute Bild.
Nach Stefan also Christina. Christina studierte irgendwas Soziales in München. Und bastelte. Ich war selten bei ihr, aber jedesmal erstaunt, wie viele durchsichtige Plastikdosen mit Perlartigem auf einen einzigen Fußboden passen. Christina war mit Matthias zusammen und ist es wohl noch immer. Der wohnte in Bad Tölz, wo Christina jetzt lebt. Matthias aber wohl nicht mehr. Aha.
Nach Christina ein Uwe. Der hauste aber die meiste Zeit nur auf dem Papier hier. Hatte angeblich Geld veruntreut in der Firma, war auf der Flucht. Haha, ja. Auf der Flucht. Das waren die Worte, die man über den Flur raunte. Die wenigen Wochen, die er tatsächlich die 45qm nutzte, hörte er schauderliche Musik (Bon Jovi und Konsorten), viel zu laut. Zudem trug er weiße Jeans. Ehrlich, liebe Vermieter, bei dem Namen »Uwe« wäre ich schon stutzig geworden (auch, wenn meine älteste Schwester jüngst einen ehelichte, aber der ist bis auf ein paar Uwe-Attitüden ganz normal), doch in der Kombi mit weißen Jeans und Bon Jovi -- wirklich nicht!
Nach Uwe ein Paar aus Dresden. Habe die Namen leider spontan vergessen, weil die zwei auch nicht den Drang verspürten, sich bekannter zu machen. War nämlich nur so ein Übergangswohnen, bis er seine Probezeit in der neuen Firma erfolgreich hinter sich gebracht hatte (Flurtratsch). Hat er wohl auch, und nun wohnen die zwei woanders größer (Flurtratsch).
Und jetzt: irgendso'n Typ, bisher nicht mal gesehen. Aber gehört. Zumindest seinen Bohrer (definitiv kein Hilti, viel zu leise dafür) und seinen Radiowecker (eher so was Bose-artiges). Ohne den hätte ich heute Morgen verpennt.

10 Comments:

Blogger yodel said...

dann gleich mal mit brot und salz beim neuen nachbarn antrippeln und danke sagen.
ich habe seit 2 wochen ebenfalls neue nachbarn, aber von jenen welchen ist weder was zu hören noch zu sehen.
nur hin und wieder liegen fragmente von möbelverpackungsmaterial vor der haustür.
aber sie werden mir nicht entkommen. irgendwann müssen sie sich zeigen und dann...

08:33  
Anonymous Traveller said...

Der Film mit Michael J. Fox ist nicht irgendein Film sondern "Das Geheimnis meines Erfolges", eine der witzigsten (und trefflichst den damaligen Zeitgeist abbildenden) Komödien der Achtziger. Seufz.

09:54  
Anonymous Simon said...

Und wie groß ist deine Wohnung?

Ich habe jedenfalls den Vorteil (oder Nachteil), dass ich in einem Haus wohne. Da hat man seine Ruhe, verpasst aber diese (interessanten?) Geschichten.

11:44  
Blogger Matthias said...

Und dann sag mal einer, in der Großstadt interessieren sich die Leute nicht mehr füreinander. Das hier beweist jawohl offensichtlich das Gegenteil.

14:55  
Anonymous n¦tropie said...

Großstadt Hinterwaldforsthausen, lieber Namensvetter? :)

16:38  
Anonymous bill tür said...

pfff. so ´ne nachbarin hätt ich ja auch gern mal gehabt - eine, die meiner kleinen, feinen weckersammlung den angemessenen respekt entgegen bringt und deren positive seite zu preisen sich nicht schämt. doch ach, die letzte - in einem wohnmonstrum, baustil lsd-süchtiger architekt, noch gräßlicher als mein heutiger berufsbunker, bei 39,9 qm mit brutalstfußbodenheizung - also diese nachbarin ließ mich irgendwann per schwall auf widerlich gelbem (uah!) papier mit briefkopf wissen, dass sie meinem morgendlichen weckritual nichts aber auch gar nichts abgewinnen mochte. so arg wenig, dass sie daraufhin jegliche persönliche kommunikation, inklusive rudimentärster grußformeln, eingestellt hat. seis drum: der nachbar auf der rechten seite hatte nämlich statt tapeten dunkelrote teppiche an den wänden und durch die türritzen kam stets ein grauenhafter gestank. irgendwann war dann ein polizeisiegel an dieser tür. ich war so gar nicht verwundert und zog aus. die erleichterung darüber übermannt mich in ruhiger stunde noch heute.

18:19  
Blogger Petra said...

traveller, in den 80ern war ich zeitgeistiges kind, und mir somit des phänomens zeitgeist nicht bewusst. nun bin ich zwar zeitgeistig erwachsen (mit stark berufsjugendlichen tendenzen), kann aber dennoch nur schwer zurückverzeitgeistigen. in die 80er. also gilt für mich "aus irgendeinem film".

simon, knapp 80qm.

07:32  
Blogger Scully said...

Mein Nachbar zeigt mich an, weil ich (obwohl ich auf der richtigen Straßenseite stehe) nicht in der korrekten Fahrtrichtung parke.(Typisch Miristlangweilig unddeshalbzeigeichallesundjedenan)Vielleicht sollte ich mal meine Aliens auf ihn hetzen...

22:29  
Anonymous Traveller said...

Ah, dam mag jemand das Wort "Zeitgeist" nicht. Finde ich auch nicht sooo dolle, aber wenn's wo passt dann für die 80er.

11:51  
Blogger rollinger said...

argh scully..solche gibts wirklich? Ist der Hammer.

Uwäää sind überall gleich. Weiße Jeans und Bon Jovi...ich würde ins Essen brechen.


Nette Nachbarn, weite Fahrt zur Arbeit, Miete billig auf dem Land, 135 qm.

11:19  

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