Neulich lieh mir Kollege E. Appleseed aus. Mit den Worten »Hey, musst du sehen. Story is zwar nicht so super, aber Musik und Optik, hui! Und die Mechs, die Mechs!« So ungefähr jedenfalls. Sah mir den Film an. Ja, Musik ist super, weil: prima Elektrobeats unter den richtigen Stellen. Etwa unter denen mit den Mechs. Das ist ganz schön schön. Optik ist auch sehr klasse, weil: wilde Mischung aus Computerzeugs und Zeichnung, inklusive Cell Shading. Story in der Tat reichlich blöd, obwohl das Grundgerüst stimmt. Aber das Ende macht alles kaputt. Grundgerüst ist bei Blade Runner gemopst. Und nicht nur das. Auch die beiden Hauptgebäude des Films. Die erinnern nämlich sehr an die der Tyrell Corporation aus Blade Runner. Ein schöner Schlüsselreiz, um mal wieder das Original zu schauen. Blade Runner eben. Und nach all den Jahren, nach all dem Schauen und immer dem gleichen Rumgedenke an immer den selben Stellen (Etwa denke ich immer, wenn Sean Young das erste mal auftaucht, dass die ja nun am allerkünstlichsten von allen Skin Jobs ausschaut. Oder ich denke beim Durchs-Glas-die-Schlangenfrau-Erschießen, dass man der Stuntdame echt mal 'ne rotere Perücke hätte aufsetzen können, meine Güte!) haut mich die Detailverliebtheit des Films noch immer aus den Schuhen. Alleine schon diese erste Kamerafahrt durch's Polizei-Hauptquartier, von oben nach unten über das Dach des Chefs. Dieses wunderbar verdreckte Gerümpel auf dem Dach, also wirklich. Oder das Blut, das sich im Wodka-Glas verteilt, wenn Deckard daraus trinkt, nachdem er von Leon fast zu Brei gehauen wurde. Oder die Wohnung von J.F. Sebastian, voll mit Plunder; und wenn die Kamera richtig steht, sieht man das Licht auf den Staubflocken in der Küche tanzen. Auf den Staubflocken, die genau so alt wirken wie der Plunder da.
Am Ende, wenn Deckard und Rachael dann die Biege machen und diese Fahrt durch die Berge kommt, denke ich übrigens auch immer an meinen Uni-Kurs »History Fiction« und an die Sprechstunde beim zuständigen Professor, in der wir uns eigentlich über das Thema meiner Hausarbeit unterhalten wollten. Aber der Professor hatte ein Blade-Runner-Poster in seinem Büro. Es kam, wie es kommen musste: Statt über mein Hausarbeits-
Thema (»Oh, schöne Idee, machen se das!«) zu reden, sprachen wir über Blade Runner und Kram. Und am Ende beim Rausgehen sagte ich im Columbo-Style (also eigentlich schon weg, aber dann noch mal umdrehend in der Tür und mit einem »Ach, was ich noch...«), dass ja das Ende von Blade Runner in der Eingangs-
Sequenz zu The Shining verwurstelt wird. Oder besser anders herum: Anfang von The Shining wird am Ende von Blade Runner verwurstelt. Da war mein Professor ganz schön von den Socken. Ich bekam am Ende eine 2- für die Hausarbeit. Drunter stand: »Wenn sie ihren journalistischen Stil in den Griff bekommen, wird aus ihnen mal eine prima Literaturwissenschaftlerin!« Da war ich ganz schön von den Socken.
Was ich aber eigentlich nur sagen wollte: Blade Runner ist echt super. Tausend Mal supererer als Appleseed.
(Was mir gerade noch einfiel: Das Haus, in dem J.F. Sebastian wohnt, heißt The Bradbury. Kann nun auch kein Zufall sein.)
Am Ende, wenn Deckard und Rachael dann die Biege machen und diese Fahrt durch die Berge kommt, denke ich übrigens auch immer an meinen Uni-Kurs »History Fiction« und an die Sprechstunde beim zuständigen Professor, in der wir uns eigentlich über das Thema meiner Hausarbeit unterhalten wollten. Aber der Professor hatte ein Blade-Runner-Poster in seinem Büro. Es kam, wie es kommen musste: Statt über mein Hausarbeits-
Thema (»Oh, schöne Idee, machen se das!«) zu reden, sprachen wir über Blade Runner und Kram. Und am Ende beim Rausgehen sagte ich im Columbo-Style (also eigentlich schon weg, aber dann noch mal umdrehend in der Tür und mit einem »Ach, was ich noch...«), dass ja das Ende von Blade Runner in der Eingangs-
Sequenz zu The Shining verwurstelt wird. Oder besser anders herum: Anfang von The Shining wird am Ende von Blade Runner verwurstelt. Da war mein Professor ganz schön von den Socken. Ich bekam am Ende eine 2- für die Hausarbeit. Drunter stand: »Wenn sie ihren journalistischen Stil in den Griff bekommen, wird aus ihnen mal eine prima Literaturwissenschaftlerin!« Da war ich ganz schön von den Socken.
Was ich aber eigentlich nur sagen wollte: Blade Runner ist echt super. Tausend Mal supererer als Appleseed.
(Was mir gerade noch einfiel: Das Haus, in dem J.F. Sebastian wohnt, heißt The Bradbury. Kann nun auch kein Zufall sein.)

12 Comments:
Nu mußte ich doch glad nen blogger account anlegen für deine comments, tz :)
Aber Blade Runner ist Kult, nicht ohne grund steht die Directors Cut DVD seit Jahren bei mir zu Hause rum und ich glaub dein Artikel ist mal wieder grund genug mir die zu Gemüte zu führen.
Das mit dem Anfang von Shining ist mir nie aufgefallen, obwohl ich den auch schon mehrfach gesehen&gelesen habe. Da muss ich unbedingt mal drauf achten.
cu starside
Ice
mach mal. is wirklich so.
appledings: bis auf die drei hauptfiguren sind die gecellshadeten charactere alle ganz schlimm. hättense die lieber mal normal gezeichnet (z.b. wie die koreaner das bei wonderful days gemacht haben). der rest ist optisch und akustisch wirklich prima. die story beachtet man da da doch eh nicht.
Meiner Meinung nach sind die Enden von Mangas und Animes immer scheiße. Habe mir das mal von einer Japanologie-Studentin erklären lassen. Ist scheinbar auch in der japanischen Literatur so: Am Schluss verkommt alles zu verkopftem Schwachsinn.
Göttlich toller "The Shining" Trailer:
http://www.kontraband.com/show/show.asp?ID=3113&NEXTID=0&PREVID=3118&DISPLAYORDER=20060118175446&CAT=movies&NSFW=0&page=2&genre=0&rating=nsfw_sfw
Es gibt in Los Angeles tatsächlich ein Bradbury Building, aber die Verneigung in Richtung Ray Bradbury ist sicher gewollt.
In Philip K. Dicks Romanvorlage heißt "J.F. Sebastian" übrigens "J.R. Sebastian", aber da Anfang der 1980er die Fernsehserie "Dallas" in aller Munde war, wurde die Figur für den Film umbenannt.
na sowas. zwei meiner lieblingsfilme und ich habs tatsächlich nicht bemerkt. man lernt doch nie aus. respekt!
herr tomhfs, danke für den hinweis.
das manga appleseed wurde ja nun leider schon zwei mal als anime verwurstet. bäh! derweil das manga von shirow masamune wirklich nett ist und shirow nie das abgekupferte aus blade runner abgestritten hat.
und über blade runner könnte ich bücher schreiben (mache ich vielleicht mal...). und den director's cut kann man ja übrigens eigentlich getrost in den müll schmeissen. da vermisse ich die schönen off-comments und eben beschriebenes shinning-ende.
und übrigens wurden alle "echten" aussenszenen um das bradbury gedreht und in dem merkwürdigen autotunnel, der immer wieder in hollywood-filmen auftaucht (back to the future, who framed roger rabbit, less than zero usw.) und ich warte ja noch auf den von scott versprochenen echten director's cut. so mit den schlangentanz, deckards besuch bei holden im krankenhaus. falls sie mal lust haben das nachzulesen: www.bladezone.com
eine schöne seite von fans für fans.
oh, ich danke.
Umso tragischer ist Ridley Scotts Fall zu berwerten. "Black Hawk Down" wurde am ortsansässigen Cinemax mit den Zeile "Vom Regisseur von "Galdiator" beworben. Was soll man da noch sagen?
Tränen im Regen.
the times they are a-changin'...
oder so.
(was will bob dylan hier?)
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