Gestern Abend, irgendwann zwischen 22:30 und 23:30 -- ich war noch im Büro, obwohl der letzte Artikel ca. zwei Stunden vorher fertig geworden war und schaute mir aus Lust an der Bandbreite und Unlust auf die Heimfahrt diverse Videos von Aphex Twin, Lexy & K-Paul und anderen angenehm Bekloppten auf You Tube an -- schrieb mir Person XYZ, dass er nun was ganz absurdes tun würde. Ich fragte: »Du wirst normal?« Er: »Never! Ich mach jetzt Sport.« Wenn man Person XYZ ein bisschen kennt (ich behaupte das von mir), wundert man sich über den Sport, ja. Nicht über die Uhrzeit. Und man denkt an das eigene Verhältnis zum Sport und wo es die vergangenen Jahre hin verschwunden ist. Ertrunken in Arbeitsspeck. Und man schaut in den spärlich beleuchteten Innenhof des Verlagsgebäudes, weiß, dass unten auf dem Boden Schnee liegt und formuliert zum 100sten Mal in den vergangenen Tagen den Satz »Winter is kacke!« im Kopf. Gerade für Sport, um den ich nicht mehr rumkomme. Abnehmen klappt ja bis zu einem gewissen Grad einfach durch Nahrungsumstellung. Ist der gewisse Grad erreicht, ist jeder Gang auf die Waage kein Juhu-Tralala-Erlebnis mehr, sondern eher so ein Die-will-mich-doch-verar-schen-Erlebnis. Damit das nicht so bleibt: Sport. Blöd daran ist aber der verkackte Winter. Sport ist ja für mich nicht nur Bewegung, sondern vor allem Bewegung. Räumliche Distanzen überwinden und so. Ich laufe gerne. Ich fahre gerne Rad. Ich komm' gerne von der Stelle. Deswegen hab ich mein Auto so lieb. Ich starte irgendwo und komme irgendwo an (Formel leider nicht anwendbar auf alle Lebensbereiche). Bei dem Wetter da draußen ist aber weder Laufen noch Radfahren drin (rutsch, rutsch, pardautz <- hm, das hab ich mal ähnlich bei Goldt gelesen). Ich könnte schwimmen. Aber das ist auch nur so halb toll, wenn ständig irgendwelche Blümchenbadehauben-Omas die Bahn kreuzen. (In meinem alten Leben sind mein Vater und ich zweimal die Woche morgens um sechs zur Schwimmhalle gefahren, um Blümchenbadehauben-Omas zu vermeiden. Das heißt, er ist gefahren, ich, sofern schon hell genug draußen, gelaufen. Zur Halle, dort 60 Minuten Bahnen gezogen, dann wieder zurück. Er gefahren, ich gelaufen. Herrje!) Ich könnte die Langlaufski aus dem Keller puhlen, aber Langlauf ist nicht meins. Wusste ich nach ca. 50 Metern auf den Dingern. Aber doch schön, eine Langlaufaus-rüstung zu haben. Im Keller. Also Crosstrainer. Zuhause. Auf der Stelle treten, schwitzen. Nach den 40 bis 60 Minuten immer diese eher schale Befriedigung. Bewegung ohne Bewegung. Wie beim Autofahren. Nur anders herum. Und ohne Freude.
Montag, Februar 13, 2006
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11 Comments:
sport! herrje! im winter! ach!?
übrigens: finde ich ja die geschichten (also die eher kurzen eben) gut.
watt soll ma machen? muss ja un so.
(und danke.)
wobei, "ganz kurz" ist sehr, sehr groß!
keine frage. der herr ('er' in diesem winz-dialog) ist aber auch ein riese.
ich kann vom Crosstrainer nur abraten. Bei mir hat sich da nie ein Gefühl für Leistung eingestellt. Außerdem kommt man beim (geräuschvollen - quietschen selbst nach drittem umtausch) Bewegen auf der Stelle viel zu oft auf die Idee nach nebenan zu gehen und nach dem Essen bestimmt weiter zu machen.
Wie wär's mit »Nordic Walking«? Dieser Trendsportart, die der Teufel höchstselbst erfunden hat?
basseau, mein crosstrainerchen macht a) keine geräusche, weil magnetgebremst und lässt b) je nach programm die muskeln ganz schön schmerzen am ende.
christoph, danke. verzichte.
full ack zum artikel, ich hab mir letztes Jahr nen gar nich mal so unüblen Fahrrad Heimtrainer geholt, da mir leider mein Fahrrad gestohlen wurde - und was is? Ich wünsch mir jede Woche mindestens 1x mein Fahrrad zurück und besseres Wetter um es zu nutzen.
Die meisten meiner Freunde gehen zur Zeit ins Fitnessstudio, aber ich kann diesem Geräteturnen (ist ja vor allem auch auf der Stelle und damit imho ziemlich eintönig) einfach nichts abgewinnen und mich nicht aufraffen dazu. Dann doch lieber alle 1-2 Wochen zumindest was Squash, auch wenn mehr Sport dringend nötig wäre :(
cu starside
Ice
Wenn man mal die organischen und heilfürsorglichen Vernunftsmomente erfolgreich verdrängt und sich jeglichem Gesellschaftsdruck entzieht, der Sozialnorm entsagt, merkt man ziemlich schnell, dass Sport und Bewegung ohne persönliches Eingeninteresse an der Tätigkeit selbst ziemlich kontraproduktiv ist. Alleine die "nur eine Stunde durchhalten und dann mit xy belohnen"-Gedanken sprechen hier doch eine deutliche Sprache.
werter tulio, "nur eine Stunde durchhalten und dann mit xy belohnen"-Gedanken sprechen hier doch eine deutliche Sprache. hu? wo hier?
An den Boden festgetackerte Fahrräder oder Strampelbretter halte ich für einen großen Affront gegen die newtonsche Mechanik (eben Bewegung ohne Bewegung).
Ein bisschen Schmerz aber in der Muskelmasse ist manchmal nützlich zur Bestätigung, dass man noch da ist und Zeit mit seinem Körper verbracht hat.
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