Praktikantin P. ist wirklich ziemlich super. Das sage ich nicht nur, weil sie hier wohl schon geraume Zeit ziemlich liest, sondern weil es ziemlich schlicht die Wahrheit ist. Ziemlich heimlich nenne ich sie seit gestern Abend 'Opfer'. Der Begriff 'Opfer' ist in meinem Sprachgebrauch ein nicht ganz so eng gefasster wie vielleicht bei anderen Menschen. Opfer sind bei mir nicht nur die, die nachts durch die Straßen irgendeiner Krisenherd-Stadt flanieren und sich dann mit Steckschuss in der Hüfte im Krankenhaus wiederfinden -- sollte die Stadt ein Krankenhaus haben, der Steckschuss wirklich in der Hüfte sein und irgendeine gute Seele für den Abtransport des Besteckschussten sorgen. Opfer sind auch nicht ausschließlich nur Menschen, die an irgendeiner lauschigen Küste ihr Häuschen errichtet haben, dort Ziegen, Hühner und Knüpfteppiche für ihr karges täglich Brot züchten und dann von übellaunigem Wasser erstens ganz schön nass, zweitens ganz schön noch viel ärmer als vorher oder drittens im schlimmsten Fall ganz schön weg gespült werden. Opfer geht auch ziemlich positiv. Praktikantin P. kann sich ziemlich freuen, denke ich, denn sie ist positives Opfer. Das mag daran liegen, dass ich keine (echten) Steckschüsse auszuteilen vermag und mich in Sachen Wasser eher aufs tägliche Reinigen, Trinken und das gelegentliche Nachfüllen der Scheibenwasch-anlage meines Autos beschränke. Das mag aber auch daran liegen, dass die Frau einen ausgezeichneten Humor hat, begeisterungs-fähig ist, diverse XYZ noch nicht kennt und somit meinen missionarischen Antrieb bezüglich Bekanntmachung von XYZ geweckt hat. (Außerdem kann sie das Wort 'Titten' ohne Scheu in einen Satz einbauen. Und ohne Kleinmädchen-Kichern dabei. Das musste ich beispielsweise erst jahrelang trainieren.) XYZ ist gleichbedeutend mit 'alles, was ich cool finde'. Ich finde aber nun reichlich viel ziemlich cool. Das dürfte dann den Begriff 'Opfer' hier in letzter Instanz erklären.
(Manchmal frage ich mich, ob es nicht vielleicht doch ganz okay gewesen wäre, Lehrerin zu werden: »Kevin Manuel, deine Interpretation des Schimmelreiters ist unter aller Sau. Du hast den doch sicherlich gar nicht gelesen. Naja, ich kann es dir nicht verdenken, tat ich nämlich auch nie. Aber wenigstens habe ich damals besser gemogelt als du. Doch weil du gestern Abend so eine ausgezeichnete Kill/Death-Ratio hattest und diverse Male die Bombe entschärftest, bekommst du von mir eine gnädige 3+. Nächstens unterlasse es aber bitte, in Arbeiten 'lol' zu schreiben.)
(Manchmal frage ich mich, ob es nicht vielleicht doch ganz okay gewesen wäre, Lehrerin zu werden: »Kevin Manuel, deine Interpretation des Schimmelreiters ist unter aller Sau. Du hast den doch sicherlich gar nicht gelesen. Naja, ich kann es dir nicht verdenken, tat ich nämlich auch nie. Aber wenigstens habe ich damals besser gemogelt als du. Doch weil du gestern Abend so eine ausgezeichnete Kill/Death-Ratio hattest und diverse Male die Bombe entschärftest, bekommst du von mir eine gnädige 3+. Nächstens unterlasse es aber bitte, in Arbeiten 'lol' zu schreiben.)

10 Comments:
so einen lehrer haben wir tatsächlich. unterrichtet mathe und kunst. spielt in seiner freizeit hauptsächlich doom 3 und rechnet es mir als "mündliche mitarbeit" an, wenn ich ihn über die neueste hardware-referenz aufkläre. es kann also durchaus seine vorteile haben nerd (= opfer) zu sein.
*lol*, falls man das überhaupt noch sagen darf - wir hatten einen Lateinlehrer, der sich auf dem Schulweg immer Brennesseln zum Teekochen abgeschnitten hat. Wie hätte ich den beeindrucken sollen? Mit dem walkthrough zu Maniac Mansion?
Ich für meinen Teil bin froh, dass Frau Schmitz geworden ist, was sie nun ist. Denn so kann ich professionellen Rat über mein Lieblingshobby erlesen und teilweise blind kaufen weil unsere Geschmäcker nicht so wirklich unterschiedlich sind (Onlinespiele ausgenommen). Im Falle des lehramtes hätte ich keinerlei Nutzen gehabt, da sie a) zu meiner Schulzeit nicht unterrichtet hätte und b) sicher nicht auf meiner Baumschule gewesen wäre.
Fazit: Alles ist gut, so wie es ist... für mich zumindest.
Dem lezten Abschnitt nach hätte ich dich gerne als Lehrerin gehabt. Ehrlich.
Und ist doch auch schön wenn Menschen ohne rot zu werden oder zu kichern sich vulgär ausdrücken können. Das hat Stil.
Zumindest wenn man es schafft das betreffende Wort möglichst häufig unterzubringen...
Also wenn ich diese Praktikantin P. bzw. das positive Opfer wäre und das lesen würde, wäre ich ziemlich erfreut und ziemlich geschmeichelt. Schade eigentlich, dass das Leben nicht im Konjunktiv stattfindet, dann wäre Vieles viel besser....
Titten gehen mir recht locker über die Lippen, aber ich kichere rotwerdend bei anderen Begriffen, die zu nennen ich hier natürlich nicht wagen werde.
Was ich eigentlich sagen wollte: Opfer sind für Missionare essentiell von Zeit zu Zeit, ich weiß einen gregorianischen Gesang davon zu singen. :)
Und Scullylein: Konjunktive sind bloß Indikative, die sich nicht trauen.
Indikative machen Krieg.
schön gesagt.
Und Konjunktiv Plusquamperfekt ist die Sprache der Verlierer.
Ach darum gewinne ich nie im Lotto...
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