Durch diesen Wettbewerb der SZ (ich erwähnte ihn bereits) bin ich wieder ans Krimilesen geraten, was ich ja schon ewig mache. Und immer in Schüben. Wurschtel mich aktuell durch mein Regal, lese mit großem Vergnügen alte Lieblinge und erschrecke mich mit großem Vergnügen über jetzt ehemalige Lieblinge. Und finde erstaunlicherweise noch immer ein paar Bücher, die ich mal irgendwann durch Zufall oder als Jubeltagsgeschenke in die Hände, aber nie richtig vor Augen bekam. Darunter auch eine ganz nette Sammlung von Kurzkrimis. Und klar, da muss auch wieder so eine Geschichte drin sein. Ohne geht es gar nicht. Ohne die Geschichte vom perfekten Mord. Oder vom Versuch des perfekten Mordes. Letztere Variante kommt ja doch durchaus öfter vor, so 'Mörder von sich wahnsinnig überzeugt, macht in seiner Überheblichkeit einen winzigen Fehler, der ihm dann am Ende alles versaubeutelt'. Genau so eine ist das in der Sammlung auch. Der 'winzige' Fehler des überheblichen Mörders ist, dass er sich seiner verhassten Frau entledigen will. Tztz, denkt da der geübte Krimileser, weiß er doch, dass der perfekte Mord zu 98% nur funktioniert, wenn ein Motiv weit und breit nicht zu finden ist und der Täter keinerlei Beziehung zum Opfer hat. Wenn der Mord nur wegen des Mordes geschieht.
Ich war 17 oder 18, als ich mir das erste Mal Gedanken darüber machte, wen ich denn könne. So abmurksen. Ohne dass man auch nur im Traum auf die Idee käme, ich hätte und so. Ich fand dann auch tatsächlich recht schnell jemanden, den örtlichen Trinker nämlich. Kein Jux, den gab es bei uns im Dorf. Den gibt es nämlich in jedem Dorf ab einer gewissen Größe. Unserer wankte mir morgens häufig beim Zeitungaustragen entgegen -- auf seinem Weg heim aus der Stadt. Der erschien mir perfekt: ledig, keinerlei Verwandte in der nahen Umgebung, soweit ich informiert war, in dem Maße verlottert, dass auch die Nachbarn ihn mieden, wahrscheinlich auf eine eher unbewusste Art sehr, sehr einsam. Kurz: Niemand scherte sich um ihn. Und ich hielt mich auch für die perfekte Täterin. Wer, bitteschön, verdächtigt denn ein trotz seiner vorlauten Art überall recht beliebtes junges Mädchen eines Mordes? Ha! Genau!
Wie anstellen? Die entscheidende Frage. Auch da hatte ich ja schon eine Idee, geboren aus einem recht unappetitlichen Unfall, der sich mal bei uns ereignete, als ich noch sehr jung und diese gemeingefährliche Kurve noch nicht begradigt war. Nun muss ich fix ausholen. Ist aber durchaus wichtig, um zu verstehen. Also: Die Bundestraße, die sich da am Rande des Dorfes parallel zur Wupper schlängelt, die hatte eine fiese Kurve, in der jede zweite Woche was passierte. Wir Kinder hatten schon so eine Art Unfallfanclub gegründet und hockten verbotenerweise gerne abends im Sommer dort auf der Leitplanke und warteten auf Motorrad- und Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren. Natürlich passierte nie was, wenn wir da saßen. Natürlich.
Jetzt aber das Widerliche: Parallel zur Bundesstraße fließt nicht nur die Wupper in einem ordentlichen Abstand, sondern auch ganz nah -- nämlich genau hinter der Leitplanke -- der so genannte Güllebach. Der hieß bei uns so, weil früher, als die Umwelt nur Umwelt war, da die Haushalte ihre Abwässer reinleiteten. Und dadurch hat sich im Laufe der Jahre eine ganz schön abartige und ordentlich dicke Schlammschicht unter dem Wasserrinnsal gebildet. Und genau in die ist mal ein Motorradfahrer kopfüber reingesegelt. Erst mit dem Motorrad auf die Leitplanke gedotzt, dann in den Matsch geplumpst. Wohl recht tief, denn befreien konnte er sich nicht mehr und ist dann wahlweise ertrunken oder erstickt. Genau haben wir das nie rausgefunden. Ein paar Jährchen später bin ich auch mal durch einen dummen Zufall selber in den Bach geklatscht und ratzfatz bis über die Hüften versunken. Diese beiden Erfahrungen, also meine und die des unglücklichen Motorradfahrers, der morgendliche Weg des Dorftrinkers an der Straße und am Güllebach entlang und ein ordentlicher Schubser an einer schlecht einzusehenden Stelle in der Dunkelheit vermengten sich in meinem Kopf zu einem hübschen Plan. Den ich natürlich nie in die Tat umsetzte. Aber ich musste für eine gewisse Weile nach Erstellen immer grinsen, wenn ich den Mann sah.
Neulich übrigens erzählte ich die Geschichte mal wieder. Auf einer längeren Autofahrt dem Fahrer. »Petra, du machst mir gerade ein wenig Angst«, er nach Ende. Das oder ähnliches sagen immer alle, wenn ich sie erzähle. Das reicht mir dann auch. Und ich weiß auch gerade gar nicht, ob der Dorftrinker noch lebt.
Ich war 17 oder 18, als ich mir das erste Mal Gedanken darüber machte, wen ich denn könne. So abmurksen. Ohne dass man auch nur im Traum auf die Idee käme, ich hätte und so. Ich fand dann auch tatsächlich recht schnell jemanden, den örtlichen Trinker nämlich. Kein Jux, den gab es bei uns im Dorf. Den gibt es nämlich in jedem Dorf ab einer gewissen Größe. Unserer wankte mir morgens häufig beim Zeitungaustragen entgegen -- auf seinem Weg heim aus der Stadt. Der erschien mir perfekt: ledig, keinerlei Verwandte in der nahen Umgebung, soweit ich informiert war, in dem Maße verlottert, dass auch die Nachbarn ihn mieden, wahrscheinlich auf eine eher unbewusste Art sehr, sehr einsam. Kurz: Niemand scherte sich um ihn. Und ich hielt mich auch für die perfekte Täterin. Wer, bitteschön, verdächtigt denn ein trotz seiner vorlauten Art überall recht beliebtes junges Mädchen eines Mordes? Ha! Genau!
Wie anstellen? Die entscheidende Frage. Auch da hatte ich ja schon eine Idee, geboren aus einem recht unappetitlichen Unfall, der sich mal bei uns ereignete, als ich noch sehr jung und diese gemeingefährliche Kurve noch nicht begradigt war. Nun muss ich fix ausholen. Ist aber durchaus wichtig, um zu verstehen. Also: Die Bundestraße, die sich da am Rande des Dorfes parallel zur Wupper schlängelt, die hatte eine fiese Kurve, in der jede zweite Woche was passierte. Wir Kinder hatten schon so eine Art Unfallfanclub gegründet und hockten verbotenerweise gerne abends im Sommer dort auf der Leitplanke und warteten auf Motorrad- und Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren. Natürlich passierte nie was, wenn wir da saßen. Natürlich.
Jetzt aber das Widerliche: Parallel zur Bundesstraße fließt nicht nur die Wupper in einem ordentlichen Abstand, sondern auch ganz nah -- nämlich genau hinter der Leitplanke -- der so genannte Güllebach. Der hieß bei uns so, weil früher, als die Umwelt nur Umwelt war, da die Haushalte ihre Abwässer reinleiteten. Und dadurch hat sich im Laufe der Jahre eine ganz schön abartige und ordentlich dicke Schlammschicht unter dem Wasserrinnsal gebildet. Und genau in die ist mal ein Motorradfahrer kopfüber reingesegelt. Erst mit dem Motorrad auf die Leitplanke gedotzt, dann in den Matsch geplumpst. Wohl recht tief, denn befreien konnte er sich nicht mehr und ist dann wahlweise ertrunken oder erstickt. Genau haben wir das nie rausgefunden. Ein paar Jährchen später bin ich auch mal durch einen dummen Zufall selber in den Bach geklatscht und ratzfatz bis über die Hüften versunken. Diese beiden Erfahrungen, also meine und die des unglücklichen Motorradfahrers, der morgendliche Weg des Dorftrinkers an der Straße und am Güllebach entlang und ein ordentlicher Schubser an einer schlecht einzusehenden Stelle in der Dunkelheit vermengten sich in meinem Kopf zu einem hübschen Plan. Den ich natürlich nie in die Tat umsetzte. Aber ich musste für eine gewisse Weile nach Erstellen immer grinsen, wenn ich den Mann sah.
Neulich übrigens erzählte ich die Geschichte mal wieder. Auf einer längeren Autofahrt dem Fahrer. »Petra, du machst mir gerade ein wenig Angst«, er nach Ende. Das oder ähnliches sagen immer alle, wenn ich sie erzähle. Das reicht mir dann auch. Und ich weiß auch gerade gar nicht, ob der Dorftrinker noch lebt.

8 Comments:
@Petra: Bei der Geschichte kommt mir unwillkürlich Stephen King's "Stand by me" in den Sinn...
Petra, du machst mir gerade ein wenig Angst
ich mag frauen mit sockenschuss. ;)
Da sieht mans ma wieder bei Gamestar denken alle nur an "Blut und Morde"
Eröffnet ein vollkommen neues und ungeahntes Schmitz-Bild!
mir hingegen, werter klapsenschaffner, ist das schon ungezählte monde bekannt. man gewöhnt sich auch durchaus daran.
Ich denke mal, derartige Gedanken schwirren von Zeit zu Zeit durch jeden wachen Geist.
Ich frage mich bloss, warum diese "Macht-über-Leben-und-Tod"-Gedanken fast nur mit Schusswaffen in Verbindung gebracht werden. So Marke: "Ich habe eine Waffe. Ich kann zwischen Leben und Tod eines Anderen entscheiden. Und er kann nichts dagegen tun!"
Diese Situationen gibt es an viel mehr Stellen als man denkt. Beispielsweise am Bahnsteig. Wie schnell hat man jemanden vor den einfahrenden Zug geschubst, ohne dass auch nur ein Mensch von einer vorher geplanten Tat ausgeht...
Wäre kein perfekter Mord gewesen, da du mit der Mordart in Verbindung gebracht hättest werden können. In nem Kriminalroman hätte der Detektiv durch Zufall von deinem Sturz in die Jauchegrube erfahren und sich zuerst nichts dabei gedacht und dann vom recht unangenehmen Tod des Motorradfahrers der zu deinen Lebzeiten im Dorf stattgefunden hätte. Vielleicht hätte der Detektiv dich dann noch für etwas zwielichtig gehalten und schwupps hätte er recherchiert und dich enttarnt. ^_^
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