Samstag, Juni 17, 2006

Ich versteh' das Eltern-Kinder-Ding heutzutage nicht. Oder genauer gesagt: Ich versteh' das Eltern-Kinder-Ding heutzutage hier im Münchner Outback nicht. Ganz genau gesagt: Ich versteh' das Eltern-Kinder-Ding heutzutage hier im Münchner Outback mit Landschaft, Landschaft, Landschaft (inklusive Deutschlands größtem Forst) drumherum nicht. Also wir haben hier nun wirklich alles, was das Stoffel-Herz (Jungs bis -- sagen wir -- 15,25 sind immer Stoffel) begehren könnte. Stoffel-Horden könnten in den Ferien bereits morgens, während der Schulzeit dann eben nachmittags losziehen und im Forst Buden bauen, Bäche stauen, sich Zecken einfangen oder einfach auf Ästen sitzen, geklaute Maiskolben abnagen und Wanderer mit Kram bewerfen. Nö! Statt dessen bleiben sie in Hausnähe, spielen in der schlecht einsehbaren Kurve hier Fußball und kreischen wie Mädchen, denen man Puppe weg genommen hat. Übrigens spielen die Mädchen hier auch in der Kurve und kreischen wie Mädchen, denen man die Puppe weg genommen hat. Was ja okay ist. Sind ja Mädchen. Aber auch die könnten doch mit den Jungs im Forst auf den Ästen sitzen. Ich glaube jedenfalls fest, dass Jungs und Mädchen da gleichermaßen großen Spaß dran hätten, dass aber Mama und Papa was dagegen haben. 'Ihr geht nicht so weit weg!' und 'Mach dich nicht schmutzig!'. Was ein Elend.
Als ich im Kreischmädchen-Alter war, war das alles noch anders. Ich erinnere mich nicht, ob ich gut und viel gekreischt habe, aber ich erinnere mich, wie ich im Wald Buden baute, Bäche staute, mir nicht unbedingt Zecken, aber reichlich Blutegel einfing, dass ich beim Nachbarn Forellen angelte oder beim anderen Nachbarn die Pflaumen klaute -- und abends eigentlich immer saudreckig heim kam. Die Eltern waren zufrieden.
Sicher, auch wir durften manches nicht machen. Wir durften beispielsweise nicht mit den Rädern die lange, schlecht einsehbare, weil sehr kurvenreiche Straße am Dievesherweg runterbrettern. Haben wir aber dennoch immer gemacht -- und dabei gekreischt wie die Irren. Ich lag dann auch mal deswegen drei Wochen im Krankenhaus. Aber das war es verdammt noch mal wert. Schon allein, weil unsere Kurven verboten waren.

20 Comments:

Blogger Avaron said...

Absolut richtig. Aber man kann ja immerhin noch froh sein, dass die Stoffels überhaupt draußen Fußball spielen. Der Standart heutzutage wär PES oder Fifa, kaum, dass man überhaupt das Gamepad richtig halten kann. Okay, übertrieben.

00:26  
Blogger Michi said...

Ein wahres Wort. Kaum setzt man hier mit seiner Karre zurück, hängt einem die halbe Schratz-Population des Ortes im Radkasten. Grauenhaft...

01:27  
Blogger Henk said...

ja, früher, früher, saßen wir in den bäumen und träumten von computern die uns sonntag nachmittags bei raumschiff enterprise gezeigt wurden. wir waren sicher, das man mit denen ganz coole sachen machen könnte. und dann sind wir von den bäumen geklettert, sind nach hause geradelt und haben uns die wm im eignen lande im TV angesehen...so war das 1974!
noch irgendjemand canasta bevor der altenpfleger mich ins bett bringt???

02:10  
Blogger Chernaya Akula said...

Och, so lange is das mit der In-den-Bäumen-Sitzerei auch noch nich her. Bin noch nich mal Mitte 20 und kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass ich oft genug mistedreckig nach Hause gekommen bin. und das ganze Programm. Baumsitzen, Bäche stauen, Maiskolben klauen, mit denen dann Spaziergänger bewerfen, weils Futtermais war...
Oh, ein favorite war "Schnitzeljagden umleiten".
Made my day! In those days!
Ach, Mitte 20, und schon alt!
Wie genau funktioniert Canasta?

03:41  
Blogger McKenna said...

Zugegeben: im zarten Alter von 16 Jahren verwundert es manchen Waldtouristen, wenn er Jungens auf Ästen sitzen sieht. Tun wir aber trotzdem. Weil wir auf die Fertigstellung des Bolzplatzes warten. Bis dahin verkürzen wir uns die Zeit mit dem Runterfahren von aufgeschütteten Bergen in schlecht einsehbare Kurven auf Waldwegen. Do legst di nieda!

09:15  
Blogger Petra said...

ja, diese 16jährigen waldtouristen sind ungemein leicht zu verwundern. ansonsten: sehr fein, mckenna. und schön viel die knie aufschürfen bitte.

09:42  
Blogger Piano said...

Unsere Buden hat der Förster immer zerstört. Er hat uns und die Buden gleichermaßen gehasst. Das hat den Spaßfaktor daran verdreichfacht.

09:56  
Blogger The Toast said...

Yeah petra du sagst es. Zurück in den Wald ihr nerds :D

11:09  
Blogger ich mittendrin said...

Früher war alles besser.

11:28  
Blogger GenosseMzK said...

Hm..
Ich bin Nerd der ersten Stunde (mit dem zarten alter von sieben Jahren schon voll involviert). Da ist es finde ich nur selbstverständlich, dass ich nicht nur Baumhäuser gebaut, sondern gleich elektifiziert habe! Ein altes, aber noch recht gut funktionierendes Solapanel, eine alte, ausgemusterte Autobatterie..voila!

Hach, die Gute Alte Zeit (TM)

11:41  
Blogger Knurrunkulus said...

Ach, da kann ich ein Lied von singen, aber es wäre kein schönes. Fahre seit mehreren Jahren als Betreuer auf Freizeiten für Kids zwischen 9 und 14 Jahren mit und war da ganz früher auch selbst mal Teilnehmer. Was wir da zu meiner Zeit noch für Geländespiele gemacht haben und was für derbe Überfälle da teilweise des Nachts von den Mitarbeitern inszeniert wurden: das hatte was.

Da konnte man dann auch durchaus mal zwei Wochen auf Fernseher und all so einen Kram verzichten, weil man es halt einfach nicht brauchte.

Heute hingegen, ganz ohne Übertreibung: Sobald man als Betreuer irgendein Spiel ankündigt, bei dem sich im Laufe der Erläuterungen herausstellt, das man dabei gezwungen sein könnte, auch ab und an mal ein bißchen zu laufen, dann hat das arme Schwein von Mitarbeiter mit der Erste-Hilfe-Station garantiert nach zehn Minuten mindestens schon fünf Kids bei sich gehabt (seien das nun Mädchen oder Jungs, völlig egal), denen auf einmal ihr Bein schrecklich weh tut und die auf keinen Fall weiterspielen können und das Spiel sei sowieso doof. Egal, welches Spiel es ist. Laufen ist halt doof. Und so wird dann logischerweise auch dem engagierten Rest der Kids manchmal die Stimmung madig gemacht. Und das ist nur die Situationsbeschreibung eines Stadtspiels. Waldspiele sind dann die um 10 gesteigerte Potenz des Grauens.

Und das ist sogar fast noch untertrieben.

11:44  
Blogger McKenna said...

Knie aufschürfen? Hab selbst einmal eine Gehirnerschütterung live und in Farbe mitgekriegt. Mit dem Baum hatte ich in dem Moment aber auch so ganz und gar nicht gerechnet. Und dann noch die Glassplitter im Laub ... aber die Geschichte lasse ich besser aus, sonst wird meine unzulängliche, aber unverdrossene Ausdrucksweise ärgstens auf die Probe gestellt.
P.S: Jungs aus großen Städten, die hier Urlaub machen, geht der Waldbelauf ganz anders runter. "Wenn du mich jetzt getroffen hättest ... - Ich hab dich getroffen."

11:48  
Blogger GenosseMzK said...

Undankbar, die "Jugend von Heute".
Muss grad selbst darüber schmunzeln, bin schliesslich selbst einer dieser "heranwachsenden"..
Aber wenn ich mir meine Generation angucke gruselts mich.

11:49  
Blogger Piano said...

Ich hab mir mit dem Taschenmesser mega tief in den Finger geschnitten, als ich einen Pfeil für meinen Bogen geschnitzt habe. Und ein Freund von mir ist in ein tiefens Loch gefallen, was wir als falle gebaut hatten für Räuber. Der mussste danach ins Krankenhaus.

12:36  
Blogger ich mittendrin said...

Was manche für Sachen in ihrer Jugend machen

13:16  
Blogger Chris|GS said...

Ach, Schmitz. Bist du jetzt in DEM Alter?

00:01  
Blogger Freu said...

^^habe ich auch beim zufälligen lesen gedacht. Die nächste Generation Mensch darf nie so gut sein wie die eigene Generation.

00:42  
Blogger n¦tropie said...

Die wahre Stoffelhaftigkeit ist wohl längst vom Dorf, von der Kleinstadt in die Großstädte gezogen. Wände taggen, Geländer grinden, Grime & Hip-Hop. Asphalt in der Schürfwunde statt Waldboden. Find ich gut.

Heutiges verkehrs- und lebensberuhigtes, die Welt und die Landschaft (da potentiell gefährlich) verleugnendes Albtraum-Suburbia mit rechtwinkligen Vorgärten und ebensolchen Kindern und Eltern - find ich nicht gut.

"Why do people move to suburbia? To have kids! So no wonder it seemed boring and sterile. The whole place was a giant nursery, an artificial town created explicitly for the purpose of breeding children." (Paul Graham)

01:07  
Blogger Petra said...

chris, seit ich dich kenne. bis gleich, zuckerschnute.

mo, hör auf, so scheiß-brillante dinge zu schreiben.

08:26  
Blogger RasPutina said...

das einzige, was man dagegen tun kann, ist, die eigenen kiddies in den wald zu prügeln... und nicht rumjammern ;)

14:34  

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