Samstag, Juni 10, 2006

Weil Anmut und Demut (aka Buddhabot) neulich in den Kommentaren die am 14. Juni startende Zeit-Serie »Was ist männlich?« erwähnte, stolpern hier nun ständig offenbar ratlose Herren mit just dieser Frage via Google rein. Gestern früh war es gar ein Mitarbeiter der Lloyds Fonds AG. Armer Tropf, der hatte vermutlich vorher die Ankündigung der Serie gelesen, war durch die fiese Begrifflichkeit da vollkommen aus der Fassung und suchte nach Linderung der Seelenpein. Aber bitteschön, was ist das denn auch für eine Art? Frau Redakteurin darf eine 'Schadensbilanz' unter dem Titel »Männer sind Verlierer« ziehen. Eine Bilanz ziehen, ein rein rechnerischer Vorgang, den der Lloyds-Mitar-beiter nur zu genau kennen dürfte. Am Ergebnis gibt's dann nix zu rütteln. Einem Redakteur wird in der selben Ausgabe immerhin noch Platz für eine 'Ehrenrettung' unter dem Motto »Männer sind Gewinner« eingeräumt. Also unterm Strich: ehrenvolle Verlierer. Ach du liebe Zeit, liebe Zeit! Wer schreibt solchen Suggestiv-Müll? Ich habe ein Schreckensszenario vor Augen: Die Dame lutscht alte Kamellen der schalgeschmacklichen Sorten 'unflexibel', 'rollenver-haftet', deshalb 'orientierungslos', 'planlos' und 'unsicher'. Der Herr quengelt dann in Folge, dass das ja kein Wunder sei, wenn Frau durch die Jahrzehnte vom Heimchen erst zur Emanze mutiere, dann aber plötzlich 'die neue Weiblichkeit' entdecke. Zwar Macherin, aber bitteschön sexy und nun wieder mitohne Aufbegehren, wenn Mann im Restaurant die Rechnung bezahlt, ihr die Tür aufhält und ihre Schönheit statt ihres Geistes lobpreist. Und er wird behaupten, dass Mann sich noch in der Umstellungs-phase befinde und Frau nicht so schrecklich ungeduldig sein solle. War doch alles schon deutlich schlimmer. Oder er wird darauf pochen, dass sich ja mal kaum was verändert habe, dass die Rollenverteilung im Kern noch die selbe sei und die Männer ihre Position in all den Jahren zu Recht einfach behauptet hätten -- und dass Frau das nur nicht sehen mag.
Mag sein. Kann aber auch alles ganz anders sein. Und ich liege komplett falsch mit meinem Schreckensszenario. Aber ich hätte noch eine irre Idee: Wäre es nicht deutlich spannender, wenn Herr und Frau Redakteur/in die Betrachterseiten wechseln würden? Zuviel verlangt? Na gut, aber am Ankündigungstextlein könnte man/frau wirklich noch nachbessern.

5 Comments:

Blogger anmutunddemut said...

(jetzt auch mit neuem Pseudonym)

Ja, ich bin auch sehr gespannt auf die Serie, gerade weil das Thema so schwierig ist. Ich meine - ich hab das ja schon gesagt - wir Männer hatten ja nichtmal eine "erste" Männerbewegung geschweige denn eine zweite oder dritte. "Mannsein" ist etwas hochgradig unbewußtes und unreflktiertes (wie auch fast alles, was man mit männlich assoziiert, wie Fussball, Grillen, Saufen, Prügeln).

Alles was ich an "ernsthafter" Beschäftigung mit Männlichkeit finden konnte, war schwul, katholisch, esoterisch und/oder ausgemachter Humbug (oder einen Kombination aus diesen oder im schlimmsten fall sogar alles zusammen). Das soll jetzt nicht abwertend sein, aber ich genauso wie der Großteil der Männerwelt passen wohl kaum in eine der vier Kategorien.

Da wird es für die Zeit schwer "mal eben", was brauchbares aus der Luft zu zaubern. Um so mehr bin ich gespannt. Mittwochabend liegt das Gute Stück dann auf meinem Schreibtisch und wir wissen mehr... :)

13:12  
Blogger Tulio said...

Ich zitiere mal frei Eva-Maria Zurhorst aus ihrem aktuellen Bestseller: "was hat die Emanzipation den Frauen gebracht? Dass sie Männer zweiter Klasse geworden sind!".
Was uns Männer anbelangt ist es einfach so, dass wir Soziopathen einfach es einfach nicht schaffen, auf die veränderte Rollenverteilung ein eben passendes Rollenverhalten zu entwickeln. Die Frau braucht keinen Versorger mehr und plötzlich wollen 95% der Frauen sich nur noch mit 10% der Männer einlassen? Wieso? Ach, weil sie es können, verstehe. Weil sie es so wollen? Verdammt.
Was macht Mann dagegen? Alberne TV Sendungen und jammern auf höchstem Niveau im Streiflicht und anderen geeignete Plattformen. Das hat doch schon Jahrzehnte funktioniert, wa?

Und "Veto" was die Theorie mit unbewussten, unreflektieren Verhalten anbelangt. Die "ich-musste-dieses-Bier-trinken-und-den-Rest-vom-Kasten-auch"-These ist genauso fernab wie das wachsweiche Gerede von der Metrosexualität des Mannes.

15:09  
Blogger anmutunddemut said...

"Veto" dem Veto :)
Ich wollte damit weder sagen, dass Biersaufen, das ist, was "uns" Männer denn nun am Ende des Tages auszeichnet. Auch wollte ich nicht sagen, dass "wir" Männern nun stets unrefelektiert durch diese Welt rennen.

Aber das was Männlichkeit ausmacht, scheint mir doch arg im verborgenen zu liegen und am ehesten noch in der Abgrenzung von dem auzutauchen, was eben nicht männlich ist.

Ich lass mich aber gerne auch vom Gegenteil. Ja ich wäre sogar dankbar und erleichtert, vom Gegenteil überzeugt zu werden. Bitte.

12:03  
Blogger RasPutina said...

mir hängt dieser ganze Mann-Frau-Konkurrenzkampf so dermaßen aus dem Hals raus... können wir uns nicht einfach wie normale Menschen behandeln?

13:21  
Blogger Fenderbaum said...

WORD!

Aber solange wir keine anderen Probleme haben, gehts uns allen ja noch ble-n-dend!

15:37  

Kommentar veröffentlichen

<< Home