Freitag, Oktober 06, 2006

Du schreibst in einer Krimi-Stil-Tradition, die sich schon lange bewährt hat, sehr knapp, sachlich, du weißt schon: keine Schnörkel und so weiter. Das ist für mich (im Gegen-satz zu deinem Blog) noch einen Hauch von zu antiseptisch bzw. zu unpersönlich, das könnte mehr Schmitzchen ver-tragen. Korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber ich hab so den Verdacht, da hast du noch zuviel Respekt vor der Form, als ob du dich in einer fremden Wohnung befinden würdest, in der du dich bemühst, nichts kaputt zu machen und die Regeln des Gastgebers nicht zu verletzen. Kann noch mehr deine Wohnung werden mit deinen Regeln.
Behauptet der sehr verehrte Mann mit Fisch im Ohr. Aber wenn der Gute wüsste, wie chaotisch es in meiner Wohnung zugeht...
Wenn ich wohnungsregelmäßig schreiben würde, würden Sätze über Wäscheberge stolpern und danach mit dem Punkt beginnen. Und der Detektiv würde den Gärtner zuerst mit einer ungespülten Tasse töten (oder auch mit dreien, nur um sicher zu gehen) und ihn anschließend in einem Verhör elegisch kryptisch danach befragen, ob er denn wohl -- vielleicht, möglicherweise, wenn's keine Umstände macht -- wisse, wo -- zum Henker! -- der verma-ledeite Brief mit der komischen Nummer steckt, die für diese neumodische Steuererklärung benötigt wird. Etwa so. Derartiges will ja dann auch niemand lesen.

13 Comments:

Blogger Ramke said...

aber die chaotische wohnung scheint ja doch irgendwie kreative wellen zu schlagen, bei der vielen schreibarbeit......

09:04  
Anonymous Anonym said...

heh, schmitzchen, nimm doch mal die falschen trennungs-zeichen aus meinem text ;-)

09:11  
Blogger Orinoko said...

Lange Zeit war ich so arrogant anzunehmen, nur in meiner Wohnung könnte es so kriminell aussehn.

Dies schlägt aber weiter keine kreativen Wellen auf meine Schreibe.

11:32  
Blogger Piano said...

"Derartiges will ja dann auch niemand lesen." Also ich schon, ganz ehrlich. Weil ich gerne lache. Ich muss immer noch an die Oma denken ;-)

11:39  
Blogger Petra said...

ramke, schreibarbeit ist ja in den seltesten fällen kreativ.

melville, leg' du dir mal 'ne ordentliche auflösung zu.

orinoko: das chaos hat auch nix mit irgendwelchen wellen zu tun.

pia, die jute oma lisbeth, ja. hach, die tanzt immer noch im garten.

12:50  
Blogger Knurrunkulus said...

och petra, sag so was nicht. die branche des komplett absurden kriminalromans dürfte meines wissens nach noch brach liegen. da könntest du schneisen schlagen. ja, könntest du.

als aufwärmübung spiel einfach noch mal vivisector und frag dich das, was du einst deine leser fragtest: wieso öffnet ein nashorn im sterben den levelausgang und ebnet mal eben berge ein?

dazu dann noch ungespülte tassen und los geht's.

13:39  
Blogger GenosseMzK said...

Bitte nimm dir noch ein Stück Kuchen und die Kuscheldecke, machs dir gemütlich, Fang Sätze mit dem Ende an und hör irgendwo auf wo dir der Sinn danach ist. Und wenn Sprache wie in Arno Schmidts "Die Gelehrtenrepublik" dabei rauskommt: Nicht schlimm.
Und jetzt her mit mehr, sei es Schmidt- oder Schmitziger. Ich lese das sowieso.

13:47  
Blogger Ramke said...

ich meinte ja auch eher bloggertechnisch kreativ oder bloggst du immer auf arbeit und arbeitest zu hause die schreibarbeit ab ?? dann haben "kreative wellen" damit nichts zu tun ;-)

13:53  
Anonymous Anonym said...

Ramke, guter Punkt.

15:26  
Blogger Petra said...

im büro wird nicht oder nur selten und dann nur recht kurz gebloggt. wie das gesterntags.

16:20  
Blogger Lars said...

Steuererklärungen muss man entweder überaus penibel anfertigen und optisch aufpeppen (Excel-Tabellen, Kuchendiagramme, Anlagen auf Büttenpapier) oder künstlerisch-schnoddrig auf einem alten Zewa-Küchentuch hinrotzen. Dann braucht man auch keinen Brief mit der komischen Nummer.

16:43  
Blogger Fallout_Boy said...

Eine Steuererklärung als Mordmotiv - ich wette, das gab's bestimmt schon.

18:34  
Blogger Petra said...

gärtner lassen sich auch motivlos abmeucheln.

19:12  

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