Sonntag, März 04, 2007

(Ich möchte mich ein bisschen für den folgenden Unsinn ent-schuldigen, der gerade gegen Ende ein bisschen anders ist als der Unsinn aus Teil 1 und Teil 2, aber man darf mir ein bisschen glau-ben, wenn ich behaupte, dass es an der plötzlichen Windstille, am Frühling und an ein bisschen zu viel Café del Mar liegen könnte.)

(Teil 1, Teil 2)
Dass das mit den Würstchenbuden allerdings so eine Sache bei Annegret ist, klärt sich im Folgenden. Jedoch nur für uns, weil die anderen vier aufs Klo gehen.
»Ich muss mal aufs Klo«, sagte Jens. Er hatte auf dem Weg ins Basislager zwei Beutel isotonische Kochsalzlösung wegen der Elektrolyte und zwei Flaschen Wasser wegen des Salzes in der Kochsalzlösung leer geschlürft.
»Ich komm’ mit.« Kai-Uwe wurde Annegrets Blick zusehends unangenehm.
»Au ja, Schwanzvergleich,« jubilierte Willi, der darauf spekulierte, dass Kai-Uwe und Jens hinterher geknickt aussähen und Annegret daraus die richtigen Schlüsse zöge.
»Ich bin Schiedsrichterin«, entschied Babette, die nicht mit Annegret allein bleiben wollte. In Annegrets Nähe fühlte sich Babette nämlich stets ein wenig unwohl, weil Annegret all das war, was Babette gerne gewesen wäre und das sogar ohne Namens-änderung. Zudem bot die Toilette eine gute Gelegenheit, die malvefarbenen Kontaktlinsen wieder zurecht zu rücken. Die waren bei der ganzen Steinchenpulerei verrutscht.
Die vier machten sich auf den Weg zur gigantischen Unisex-Toi-lettenanlage, die hinter dem Spielplatz (Zutritt ab 4 Jahre, darunter nur mit Aufsichtsperson) stand. Annegret hörte noch, wie Willi die drei anderen fragte, ob sie wüssten, warum in Frank Herberts Der Wüstenplanet die Formulierung »Nun piss dich mal nicht an!« fehle, die Antwort hörte sie nicht mehr. Sie rief ihren Begleitern »Lasst euch Zeit!« hinterher, atmete einmal tief durch und schlenderte dann zu den Würstchenbuden, um die Schilder und Auslagen anzuschauen.
»Kann ich Ihnen helfen?«
»Nein, danke. Ich schaue nur.«
»Sie sind wohl auch eine von diesen, was?«
»Eine von diesen?«
»Eine von diesen Gemüsefressern.«
»Ja, das bin ich.«
Dieser Dialog wiederholte sich genau so exakt vier Mal, bis Annegret an Bude Nummer 5 ankam.
»Kann ich Ihnen helfen?«
»Nein, danke. Ich schaue nur.«
»Sie schauen nicht, Sie starren. Sie starren auf die Schweinsbratwürstl. Und zwar recht seltsam.«
»Seltsam?«
»Ich finde, man kann diese Mischung aus Abscheu und Geilheit schon als seltsam bezeichnen. Haben Sie einen Schweinswürstlfetisch, mit dem Sie nicht klar kommen?«
»Sie sind ein sehr guter Beobachter. Wie kommt das?«
»Kennen Sie Das Schweigen der Lämmer?«
»Kenn ich. Film.«
»Auch ein Buch, aber das nur nebenbei, ist beides nicht sonderlich toll. Aber da ist dieser Deal zwischen dem Kannibalen und der Agentin.«
»Sie meinen dieses quid pro quo? Ich erkläre Ihnen also meinen Blick und Sie erklären mir, warum Sie ihn bemerkt haben?«
»Genau.«
»Na gut. Setzen wir uns hinter Ihre Bude. Haben Sie was zu rauchen?«
Der Würstchenverkäufer nahm seine Schürze ab, schnappte sich eine Schachtel Zigaretten und trat dann hinten aus der Hütte hinaus. Annegret erwartete ihn schon. Sie hatte sich auf einen großen Stein gesetzt.
»Also?« fragte der Mann, während er sich an die Holzwand lehnte und sich eine Zigarette anzündete.
»Ich bin ein Schwein.«
»Nun, das sind wir alle. Geht’s genauer?« Er reichte Annegret die Zigarettenschachtel...