Freitag, April 13, 2007

Die kleine neun-, Ende Mai dann zehnjährige Jennifer wird von ihren 21 Freundinnen (»Ich hab' jetzt 21 Freundinnen. Mit dir.«) Jenny genannt. Jenny hat zwei Brüder und eine Adoptivschwester aus Russland. Dazu gibt es noch eine Mutter, der Jenny ständig beteuert, sie würde deutlich jünger aussehen als 39 (was ich bestätigen kann) und einen Vater, der auf den Tag genau zehn Jahre älter ist als ich. Jenny geht demnächst aufs Gymnasium in Tutzing, da fährt sie dann morgens mit der Bahn hin. Toll findet sie, dass man da in den Pausen nicht auf dem Gelände bleiben muss, sondern im Sommer sogar schwimmen gehen darf. Und sie hat zwei Hunde, deren Namen ich vergessen habe. Aber einer ist ein Terrier, der andere wohl ein Mischling. Jenny mag die Ohren der Tiere. Und die Haare, die über die Augen hängen. Außerdem mag sie 'Germany's Next Topmodel' und Heidi Klum, was ich, nachdem ich ihr die Ilias (Jenny war mit ihrer Familie zum Sightseeing in Paris) und die Odyssee mit Mut zu großen Lücken und reichlich albernen Umschreibungen erzählen durfte, nicht mehr ganz so schlimm fand. Französisch findet sie doof, weil sie nicht weiß, wo Worte aufhören und anfangen, aber sie stimmt mir dahingehend zu, dass man allein schon deswegen Französisch lernen sollte, um das Personal von Air France vernünftig beschimpfen zu können.
Jenny wird vielleicht in ein paar Jahren damit beginnen, sich die Fußnägel zu lackieren und durch fehlende Kleidung um die Hüfte Blicke von Männern auf sich ziehen, die zweimal ihre Väter sein könnten, so wie die amerikanischen Kindfrauen, die auf dem Hinflug in meiner Nähe saßen. Vielleicht wird sie dann auch in Ecken lümmelnd aufgesetzte Langweile gegenüber allem zelebrieren -- mit Stöpseln in den Ohren. Aber gestern Abend auf dem mit über zwei Stunden verspäteten Flug nach München war sie noch die neugierigste, plapperigste, aufgeweckteste und reizendste Jenny, die man sich nur wünschen kann. Wünsche mir ernsthaft, sie rettet das über die Arschlochkinderjahre.