Dienstag, September 11, 2007

Jüngst, nämlich vorvorgestern, dachte ich, es sei an der Zeit, der Zeit wieder einen höheren Stellenwert in meinem Leben einzu-räumen. Oder anders: Ich entschied, in die Achtuhrdreißiguhr endlich mal 'ne neue Batterie reinzufummeln. Entschieden, getan. Hat nur nichts geholfen. Die Zeit ist ein Sturkopp erster Kajüte. Jedenfalls mit mir will sie offenbar nur kriegsfüßeln. Oder anders: Batterie bringt Uhr zwar zum Ticken, Sekundenzeiger wandert brav, aber die beiden anderen Zeiger streiken.

Zunächst (sauer): »Ja, ey! Leck mich doch!«
Dann (aktionistisch): »Wegschmeißen, neue kaufen!«
Schließlich (dramatisch): »I wasted time, and now doth time waste me.«

Und weil ich schon immer einen Hang zum Drama hatte, steht die Uhr nun tickenderweise sowie dauerhaft auf Fünfvorzwölf.

(Übrigens habe ich niemals »I wasted time, and now doth time waste me.« gedacht, sondern im besten Falle nur gefühlt. Gedacht hat das, null Überraschung, William S., bzw. William S. hat das jemanden denken bzw. sagen lassen. Und weil ich jüngst nicht nur eine Batterie in eine Uhr fummelte und so bei Shakespeare landete, sondern auch eine olle Titanic fand, in der ich über Heiner Müller bzw. dessen Namen stolperte und mich mal wieder daran erinnerte, wie ich mit Heiner Müller bekannt wurde bzw. mit seiner Hamletmaschine bzw. so recht bekannt kann man mit der gar nicht werden bzw. will man nicht, denke ich zumindest, also wegen all dem und einem gestrigen Telefonat mit Mutter, in dem sie mir das xte Mal haarklein erzählte, wie sie das Schauspielhaus Köln dazu gebracht hat, endlich die Werbesendungen an mich zu unterlassen, weil ich ja nun auch schon geraume Zeit gar nicht mehr im Einzugsgebiet wohne, also noch mal also, also wegen all dem erzähle ich hier demnächst vielleicht, wie es dazu kam, dass ich mal im Kölner Schauspielhaus vor einem Spiegel auf dem Boden lag und nicht mehr aufhören konnte, zu lachen.)