Was wäre, wenn Adam und Eva niemals vom Apfelbaum genascht hätten?

(Alter Text von 2008, hier wegen eines kleinen Youtube-Projekts neu veröffentlicht. Mehr dazu unter dem Text.)

Verdammt, dachte Gott. Wann kommen die beiden endlich aus dem Quark? Gott schlug mit der Hand auf einen Berg und stapfte irgendwo anders hin.
Eva saß am Ufer eines Bächleins und ließ die Füße ins Wasser baumeln. Sie spielte an ihren Brustwarzen und freute sich, wenn diese sich daraufhin regten. Ein netter Effekt, fand Eva. Nur wenige Meter weiter rechts lag Adam im Gras und schaute Eva desinteressiert zu. Bei ihm regte sich nichts.
Gar nicht weit weg von den beiden stand auf einer kleinen Anhöhe der tollste Apfelbaum, den man sich überhaupt nur vorstellen kann. Und daran hingen die appetitlichsten Äpfel, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Der Baum war zudem seit ein paar Stunden von einem schmeichelnden Licht umgeben. Bei dem Anblick wäre jeder Apfelliebhaber auf der Stelle im eigenen Sabber ertrunken, und jeder Werbefotograf hätte sich auf den Boden geworfen und geweint wie ein kleines Kind. Adam und Eva hingegen war der Baum völlig egal. So schien es jedenfalls.
»Eva-Hase«, begann Adam, nachdem er ein paar Stachelbeeren von einem nahen Strauch gepflückt und gegessen hatte, »er tut mir langsam etwas leid.«
Eva schaute wie beiläufig auf den Baum.
»Mir nicht. Was erwartet er? So dumm … ach, vermaledeite Krux!«
»Jaja, blabla. Er schuf uns nach seinem Ebenbild. Und er ist dumm genug, anzunehmen, wir wären dumm genug, zuzugreifen. Folglich müssten wir also«, seufzte Adam.
»Pff!« quittierte Eva Adams Ausführungen. »Ich hab’s schon tausend Mal gesagt und sage es gerne erneut tausend Mal: Ich mache doch nicht Fehler, weil er welche macht. Und außerdem«, schickte sie hinterher, »glaube ich kaum, dass er auf Mitleid aus ist.«
Jedes Mal, wenn Eva über Gott und seinen Baum nachdachte, wurde sie wütend.
»Ich meine, die Verbotsschilder um das Ding plus die ganzen Oh-Äpfel-sind-ja-so-gesund-Broschüren jeden Morgen im Paradies verstreut. Und jetzt noch dieses Licht! Das ist so offensichtlich eine Falle, dass es schon weh tut.«
»Darauf sind wir schon nach seiner ersten Ansprache gekommen. Trotzdem …«
»Nichts trotzdem«, unterbrach Eva. »Ich bin nicht dämlich genug! Der kann mich!«
Gott, von plötzlichem Heißhunger auf Stachelbeeren in die Nähe der beiden getrieben, hatte den Dialog verfolgt. Oh Gott, dachte Gott, ich hab’s mit dem intelligenten Design übertrieben. Und mit einem Schnipp löschte er Adam, Eva, den Baum und den ganzen Rest und machte Platz für Plan B, die Evolution. Mal sehen, ob das klappt, dachte Gott.
Was also wäre, wenn Adam und Eva niemals vom Apfelbaum genascht hätten? Wir wissen, was wäre, denn es ist. Die Geschichte, wie es dazu kam, könnten sie aber vielleicht ihren Kindern oder Enkeln oder den Personen vor ihnen in der Schlange beim Bäcker erzählen, wenn die zufällig fragen sollten, warum manche Menschen dämlich genug sind, an so etwas wie das Paradies zu glauben.

Tempo!

Und wäre es nicht unglaublich super, wenn die allgemeine Flitzpiepigkeit endlich mal raffen würde, dass es Beschleunigungs- und keine Zöger-, Rumdödel-, Löcherindieluftstarr- oder gar Parkstreifen sind, die da an den Autobahnen dran hängen? Apropos Beschleunigung: Ich hab endlich getan, was ich mindestens schon seit August 2008 im Kopf hatte.

PS: Von dem kleinen Video gibt’s demnächst, bald, eventuell eine überarbeitete Fassung. Das geht nämlich alles noch viel besser. Vorne, hinten. Und in der … ne, die Mitte ist eigentlich sehr okay.

Filter für Frauen, die in Afrika joggen

Wenn das nächste Hypebüchlein von Frau Roche erscheint (bescheidender Titelvorschlag meinerseits: »Rosetta – Geschichten aus dem Hinternstübchen«) hätte ich gerne einen entsprechenden Firefox-Filter, der mir den ganzen dazu verfassten Marketing-Blubb auf Spiegel Online, Zeit Online und Konsorten erspart. Jaja, ich weiß, ich muss ja nicht drauf klicken, aber hey, ich schau schon immer bei Autounfällen weg und verweigere nach Möglichkeit jegliches als Reportagen getarntes Empörungs- und Bloßstellungsfernsehen der Privaten. Dieses Entsagen von Katastrophenbegaffung muss ich irgendwie kompensieren.

Dann lese ich eben solchen Unsinn wie den über und von Frau Roche in Interviews und Resenzionen und freue mich einerseits darüber, dass es Madame Roche in ihrem durch Magersucht und Training herunter gedünnten Mädchenkörper fertig bringt, öffentlich Sätze loszulassen wie »Ich verachte Frauen, die Yoga machen, um keine schlaffen Oberarme zu bekommen.«* und »Ich gehe nicht mehr joggen, um meinen Körper zu tunen, sondern ich stelle mir vor, dass ich ein Afrikaner im Busch bin und meine Beine zum Laufen da sind.«* und sich damit selbst in den Bereich »esoterisch selbstgefällig unreflektiert« und/oder »falscher als falsch« katapultiert. Und andererseits rege ich mich mit all den anderen Aufregern darüber auf, dass nur ein bekannter Name, ein bisschen als Tabubruch beworbener Schweinkram und das entsprechende Kleingeld ausreichen, um einen Bestseller zu produzieren.

Dass ich mich über derlei aufrege, ist die Katastrophe! Dass ich mich am öffentlichen Scheißefinden von Frau Roche ergötze, ist die Katastrophe! Ach ne, wenn ich ehrlich sein soll, ist die eigentliche, die wirkliche Katastrophe, dass ich weder Zeit noch Geld habe, um es Frau Roche gleich zu tun. Nur dann aber ohne Interviewantworten wie »Wenn ich etwas schreibe, dann habe ich den Anspruch, dass es absolut neu ist.«*, wenn’s dann doch nur um sowas Uraltes wie Sex geht. Ich hätte vielmehr den Anspruch, dass es absolut gut ist. Aber nochmals hey, jeder nach seiner Façon. Gerne auch Frau Roche. Nur bitte nicht mehr in allen Kanälen. Ächz!

*Nachzulesen hier. Kann man aber auch lassen.

Gestatten, Brötchen. Käse Brötchen.

(Und noch ein alter Text, wieder vor einigen Jahren fürs Ressort Nabelschau von mindestens haltbar geschrieben. Abermals: Das Projekt ist inzwischen eingestellt, deswegen gibt’s den Text nun nochmal hier.)

Der folgende Text gewinnt, wenn Sie sich vor dem Lesen in die Mahlzeit verwandeln, die Sie zuletzt zu sich genommen haben. Sie können es aber auch lassen und einfach nur so lesen.

»Mahlzeit — du bist, was du isst!« plus »typisch deutsche Sichtweise«, so die Vorgaben fürs Ressort Nabelschau. Da bleibt mir ja nun wirklich nix anderes übrig, als mich gebührend über diesen Unsinn zu beschweren, liebes Team von mindestens haltbar. Wie unfair, meckere ich typisch deutsch. Wie unfair gegenüber Menschen wie mir, die sich Kochorgien verweigern. Denn würde ich nur Spaß am Brutzeln, Backen und Blanchieren haben, würde ich natürlich behaupten, das sei ganz richtig, das mit dem »Du bist, was du isst!« und im Anschluss ekstatisch über die sinnliche Erfahrung der Verspeisung eines guten, selbst zubereiteten Essens güldene Worte der Verzückung fabulieren, um am Ende zu behaupten, dass sich das aufs Wesen überträgt und mich folglich zu einer ungemein sinnlichen Zeitgenossin werden lässt, deren Anwesenheit man nur zu gerne genießt – in großer Runde. Und dann würde ich plötzlich den Bogen zu einem wahnsinnig ausufernden Gangbang schlagen. Weil die Leserschaft ja überrascht werden will. Und Sex geht sowieso immer.

Weil ich aber nicht gerne koche, bleibt mir nur Gemeckere: Wenn Wahrheit durch das Sinnsprüchlein »Du bist, was du isst!« wehen würde, wäre ich aktuell ein paar Vollkornbrotscheiben in eine Fertigsuppe getunkt, deren ursprünglich dafür geplantes Wasser zur Hälfte neben dem Topf landete. Wie sollen denn bitte ein paar Vollkornbrotscheiben in Fertigsuppe getunkt, deren ursprünglich dafür geplantes Wasser zur Hälfte neben den Topf ging, an einem Rechner sitzen und einen Text tippen? Aber das allein ist es ja nicht mal, denn vor den labbrigen Vollkornscheiben wäre ich ein Käsebrötchen aus der Kantine gewesen. Ein hübsches, leckeres Käsebrötchen zwar, mit Tomatenschnipsel und Salatblatt optisch und geschmacklich aufgewertet, aber das hätte sicherlich noch größere Probleme gehabt, Wasser in einen Topf zu füllen.

Außerdem: Ich würde mich nicht sonderlich wohl fühlen, wenn sich auf der Autobahn plötzlich der Fahrer im Opel Astra neben mir in einen Popel oder Ohrschorf verwandeln würde. Ich bin mir zwar sehr sicher, dass noch niemand Popel oder Ohrschorf auf Fahrtüchtigkeit überprüft hat, aber mein gesunder Menschenverstand behauptet, dass sei ohnehin sinnlos. Oder: Wie sollen denn bitteschön ein paar Schluck Wasser und ein Minz-Dragée die neueste Mailänder Mode vorführen? Das geht doch gar nicht. Das muss man doch einsehen!

Jetzt aber mal andererseits typisch praktisch deutsch: Wäre es nicht doch toll, wenn »Du bist, was du isst!« stimmen würde? Man könnte beim Betreten einer Party voller unbekannter Menschen gleich zwischen genormten Hühnchenteilen, Nudeln mit Ketchup, Nusskuchen und Crème Brûlée unterscheiden und sich dann die bevorzugten Gesprächspartner aussuchen. Die Nusskuchen würde ich meiden, ich hab’ eine Nussallergie. Bei den genormten Hühnchenteilen würde ich kurz anhalten und anklagend vegetarisch mit Gurken-Armen wedeln. Die Nudeln mit Ketchup wären für einen schnellen wie befriedigenden Schwatz ganz ausgezeichnet, denke ich. Und bei der Crème Brûlée würde ich den Abend dessert-artig abschließen, mit geistreichen Formulierungen an der Karamellkruste kratzen und hoffen, dass die Crème darunter das Versprechen der köstlichen Kruste darüber hält.

Aber jetzt mal abschließend klugscheißerisch deutsch: Wenn »Du bist, was du isst!« stimmen würde, würde ich mich nur noch von Cate Blanchett oder wunderschönen, langbeinigen sowie rotmähnigen Literaturnobelpreisträgerinnen, die in ihrer Freizeit an der Weltformel schrauben und Klaviersonaten klimpern, ernähren. Aber a-tens hält Frau Blanchett ja auch kein Leben lang und b-tens gibt es sicher keine wunderschönen, langbeinigen sowie rotmähnigen Literaturnobelpreisträgerinnen, die in ihrer Freizeit an der Weltformel schrauben und Klaviersonaten klimpern. Und c-tens könnte ich mir so eine exklusive Ernährung bestimmt auch gar nicht leisten.