Blöde Mordversuche (1)

Gescheiterte Wannenmorde

Den Partner in der Wanne ertränken wollen, aber keine Wanne haben.
Den Partner in der Wanne ertränken wollen, aber keinen Partner haben.
Den Partner in der Wanne ertränken wollen, aber eine Wasserallergie haben.
Den Partner in der Wanne ertränken wollen, obwohl er der Mann aus dem Meer* ist.
Den Partner in der Wanne ertränken wollen, aber die Wasserrechnung nicht bezahlt haben.
Den Partner in der Wanne ertränken wollen, aber den Badewannenstöpsel verschlampt haben.
Den Partner in der Wanne ertränken wollen, aber dabei auf der Fußmatte ausrutschen und unglücklich mit dem Kopf aufschlagen.
Den Partner in der Wanne ertränken wollen, aber dann feststellen, dass schon Uwe Barschel … ach ne, jetzt muss aber auch gut sein.

*Flipper-Spin-off, in dem Flipper durch Patrick Duffy ersetzt wurde.

Rotz aus Portugiesien

Ich hab nichts gegen das Wetter. Wetter halte ich für eine nicht wegzudenkende Notwendigkeit. Gerade das aktuelle Wetter (prima Herbstsonnenschein den ganzen lieben langen Tag) sollte mir allein veranlagungstechnisch ausnehmend gut gefallen. Der Herbst ist nämlich die meinem Empfinden nach wohligste aller Jahreszeiten. Unwohl indes wird sie, wenn sich prima Herbstsonnenschein mit fieser Erkältung balgt. Ich kann nicht mal zum Briefkasten gehen, ohne zu schnaufen. Meine Nase, meine Nebenhöhlen, mein Hals, meine Bronchien – voller Schnodder. Mein ganzer Oberkörper ist eine einzige Schnoddersenkgrube. Und das ausgerechnet im Urlaub!

Granatäpfel (hinter unserem Häuschen), angeblich ganz prima gegen Erkältung und Grippe. Wenn man beides noch nicht hat.

Den Schnodder hab ich aus Portugiesien (genauer: von der Algarve) importiert. Erst am Strand gebraten und später am Abend etwas zu ausgiebig den kühlen Wind genossen, bums, Schnoddersenkgrube! Ich sag übrigens immer Portugiesien, nur darauf lauernd, dass mich jemand verbessern möge, den ich dann mit einem »Ach, wirklich!?« auf den Lippen höhnisch anblitzen könnte, aber niemand will mich verbessern. Wahrscheinlich denkt sich jeder »Wie unwitzig!«. Ich würd’s auch denken, wenn man mir gegenüber von Portugiesien spräche. Aber unverschämt finde ich das, dass andere auch so denken wie ich, also mache ich aus Trotz einfach weiter.

Portugiesien war abgesehen vom Rotz eine ganz und gar hübsche Angelegenheit. An dieser Stelle flott ein kleiner Einschub in Form einer anderen Rotzgeschichte. Im Rheinland sagt man zu einem Schnupfen zuweilen auch Rotz, in anderen Landesteilen hingegen wohl eher nicht. So begab es sich, dass meine Mutter vor etlichen Jahren einmal hier anrief, wissend, dass mein damaliger, aus Hamburg stammender Freund mit einem Schnupfen beschlagen war und sich nach dessen Befinden mit der Frage »Und, was macht dein Rotz?« erkundigte, woraufhin er mit »Die ist wohl noch auf der Autobahn.« antwortete.

Aber genug vom Rotz, zurück nach Portugiesien, wo es entgegen meiner ersten Äußerung dann doch nicht ganz und gar hübsch war, denn für ein »ganz und gar hübsch« war’s mir dann doch schon etwas zu vertrocknet all überall, und es hatte insgesamt zu viele ältere, dicke Touristen, vornehmlich Engländer. So viele von denen, dass Englisch das Portugiesisch schon großflächig verdrängt hatte. Sehr bedauerlich für den Herrn Weltraumer, der dank dreijährigem Gewohne in Lissabon ganz hervorragend die Landessprache nuscheln kann, in acht von zehn Fällen aber trotz einer hervorragend portugiesisch genuschelten Bestellung oder Frage mit einer englisch genäselten Antwort leben musste.

Vor unserem kleinen Häuschen: Sitzgruppe ohne Engländer, aber dafür mit Aschenbecher (wichtig).

Die männlichen Engländer saßen übrigens gerne in knappen Badehöschen, in denen der faltige Hintern nur mäßig bis gar nicht verschwand, in Straßencafés und füllten Bier in die stets beachtlich spannenden Bäuche. Die weiblichen Engländer packten, sobald am Strand, ihre Brüste aus, ungeachtet der Tatsache, dass niemand ums Brüsteauspacken gebeten hatte. Die Brüste lagen obendrein auch immer auf einem beachtlichen Bauch, weniger spannend indes, weil weibliche Bäuche selten zum Spannen, sondern vielmehr zum Schwabbeln neigen. Fragte mich ein ums andere Mal, ob die Damen, wenn sie denn daheim in Middlesbrough oder Ipswich weilen und sich zum Sonnen in den Garten oder auf den Balkon begeben, auch gleich die Brüste auspacken. Verneinte das ein ums andere Mal. Das stimmte mich traurig, weniger wegen der Brüste, vielmehr wegen der armen Portugiesen, die, so stellte ich mir vor, vielleicht in so manchem Traum von großen, bereits etwas aus der Façon ge(b)ratenen englischen Riesenbrüsten verfolgt werden. Überhaupt sah ich nur zwei hübsche blanke Brustpaare. Das eigene in steter und nachvollziehbarere Regelmäßigkeit und das einer, meiner Meinung nach sehr wohlgeformten mitteljungen blonden Dame, die gleich nebenan am Strand in einem ganz sicher mit allerlei Befindlichkeiten und tragischen Momenten angefüllten Roman über eine vom Leben geprüfte chilenische Frauengestalt schmökerte. Französin, so redete ich mir ein, immerhin rauchte sie auf erstaunlich aparte Weise dann und wann eine leichte und lange Zigarette. Vielleicht war sie aber auch Deutsche, die einen Hirschhausen oder einen Sick las, aber sowas mag ich mir nicht einreden.

Eisige Nähe am Praia do Amado nahe Carrapateira.

Es reicht ja schon, dass ich, wenn auch mit bedeckten Brüsten, einen Franz las. Schlimm! Dabei schallt’s doch ständig über alle Plätze: »Der Franz, der kann’s!« Oder anders: Herr Andreas Franz, so hieß es in einer bekannteren deutschen Wochenpublikation, die mit »s« beginnt, aber nicht mit »piegel« endet, sei ein ausgezeichneter, indes mittlerweile toter Krimi-Autor gewesen. Weil die Lobhudelei dann auch noch in einem Atemzug mit einigen abschätzigen Äußerungen über Frau Roches neuestes Fickbuch daher kam, nutzte ich jüngst die Gunst einer langweiligen Gammelstunde am Hamburger Hauptbahnhof, um dort »Eisige Nähe« zu erstehen. Okay, okay, der Titel jagte mir bereits Schauder über den Rücken, aber wenn ich Romane nach Namen beurteilen würde, hätte ich niemals einen eingedeutschten Stieg Larsson gelesen, was ich übrigens auch nicht habe. Hm, das hätte mir zu denken geben sollen. Sei’s drum, ich kaufte »Eisige Nähe« von Andreas Franz. Vielleicht, weil ich zu sehr von der Frage abgelenkt war, was denn wohl das Gegenteil einer eisigen Nähe sei und wie dann der entsprechende Roman dazu ausfiele. Vielleicht, weil ich beim Kauf bereits mutmaßte, dass der Thriller bei dem Titel ein nicht zu unterschätzendes Grauenhaft-Potenzial besitzen würde. Und was ist schöner für einen Möchtegern-Krimi-Schriftsteller bzw. eine Möchtegern-Krimi-Schriftstellerin wie ich es eine bin, einen ganz und gar fürchterlichen Kriminalroman zu lesen, sich am dümmlichen Plott, den platten Figuren und den hölzernen Dialogen zu ergötzen und gleichzeitig zu denken, man selbst könne es ja zehnmal besser, wenn die Zeit, ach die Zeit nur dazu da wäre? Ich will verraten, was schöner ist: ein guter Roman, der die dummen Gedanken über das durch Stunden-, Tage-, Monatsmangel beschränkte schriftstellerische Eigenpotenzial erst gar nicht aufkommen lässt. Doch die guten Romane hatte ich alle in der Bahnhofsbuchhandlung zurückgelassen. Und deswegen am warmen Strand von Portugiesien »Eisige Nähe«. Und nun bin ich mir auch gar nicht mehr so hundertprozentig sicher, dass die Erkältung vom abendlichen, kühlen … ach, dieser arg konstruierte pseudowitzige Gedankengang wird selbst mir jetzt zu dümmlich, deswegen zum Abschluss schnell noch ein wenig Kultur.

Kulturüberbleibsel, leider nicht im Bild, sondern knapp links daneben.

Wir haben ja nicht nur an Stränden gelegen, auf große englische Brüste gestarrt und schlechte Bücher konsumiert. Wir sind auch mal rumgefahren, um beispielsweise der Mauren Überbleibsel in Augenschein zu nehmen. Sonderlich spannend war das allerdings nicht, denn die Portugiesen lassen es sich nicht nehmen, maurische Gemäuer mit alberner, zeitgenössischer Kunst vollzustellen. Wahrscheinlich ein später Racheakt für die Besatzung. Ansonsten behaupte ich mal, ohne es genau zu wissen, dass die Algarve ein insgesamt an Kultur eher armer Landstrich ist. Was unter anderem an der Kargheit da unten liegen könnte. Wenn man ständig durch Staub trabt, sich an Agaven piekst und Träume über englische Riesenbrüste verarbeiten muss, dann bleibt für Kultur vielleicht nicht mehr viel übrig. Allerdings sollte ich in diesem Zusammenhang den Begriff »Kultur« wohl genauer umreißen oder vielleicht größer fassen, um überhaupt eine für irgendwen gewinnbringende Aussage darüber tätigen zu können. Doch dazu fehlt mir aktuell die Muse und die Zeit, ich müsste jetzt mal zum Briefkasten schnaufen.

Thumbs of Laziness

Festgestellt, dass meine beiden Daumen (insbesondere der rechte) für God of War zu langsam sind. Wie gut, dass ich noch recht flotte Zeigefinger und Handgelenke habe. Übrigens bis auf ein paar saudoofe Hüpfeinlagen ein wirklich prima Dings, hätte ich schon viel früher mal spielen sollen.