Dienstag, November 29, 2005

[Time's unfolding...*]
Kleine Lobhudelei über ein Spiel nun, dessen Namen ich nicht nennen möchte, weil Ubisoft sonst vielleicht 'nen Koller bekommt (hab das doofe NDA nicht genau im Kopf). Ein paar Hinweise seien mir allerdings gestattet: Es ist der sechste, kwatsch, der dritte Teil einer, genau, einer Trilogie. Es kommen vor: Ein Orient, ein paar bis ganz viele Monster, ein böser Wesir, ein Dolch, ein elastischer Typ -- und sie! Sie, die im ersten Teil der Trilogie so unglaublich reizend war. Sie, die den elastischen Typen dazu nötige, sie zu retten. Sie, die ihn mehrfach zur Weißglut und schließlich gänzlich zum Schmelzen brachte. Sie, die in Teil 1 mit dem Typen in einem finsteren Verlies saß, ohne Hoffnung, dann seine Hand nahm und das magische Wort sagte. Das Wort, das die Mutter ihr in Kindertagen verriet und angeblich die Macht besaß, einen Ausweg zu zaubern. Und sei die Situation noch so ausweglos. Kakulukia. Der Ausgang erschien, die beiden waren frei -- und voneinander getrennt. Durch Raum, durch Zeit. Sie vergaß alles. Alles, was sie mit dem Typen erlebt hatte. Sie vergaß ihn. Weil sie ihn nie gekannt hatte (tja, der olle Zeitrumfummel-Beschiss). Und er? Er hatte nichts vergessen. Am Ende trafen die beiden sich wieder. Er rettete sie. Das nunmehr zahlloseste Mal. Auf ihre Frage, wer er denn sei, antwortete er: »Nenn' mich Kakulukia.« Dann verschwand er, ließ sie zurück. Voller Erstaunen, voller Fragen. Ein Ende zum Niederknien. Ich hatte Gänsehaut an Körperstellen, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie besaß. Grinste einmal um meinen Kopf.
In Teil 2 fehlte sie. Wie auch der Zauber des ersten Teils fehlte (und das brillante Leveldesign und eine halbwegs okaye Kameraführung. Dafür gab es einen der nervigsten Bossgegner der Spielegeschichte. Drecksvieh! Aber das nur nebenbei.)
Nun ist sie wieder da. Sie tut das, was sie in Teil 1 schon so meisterlich beherrschte: Sie läuft weg, läuft voraus. Legt eine Spur aus Zauber, der man einfach folgen muss. Weil es das Leveldesign will, weil es die Story will, weil der Typ es will, weil ich es will. Und seien die Abgründe noch so tief, die Sprungsequenzen noch so knifflig und die Monster noch so zahlreich -- bis zum Finale. Und dieses Mal, dieses Mal wird es ein Happy End geben. Zeit wird's.
[All we need is peace of mind...*]

*Télépopmusik -- Stop Running Away. Danke Morn, toller Song.

Sonntag, November 27, 2005

Bisschen albern ist es ja schon, an einem Sonntag Vormittag im beschneeten Spätherbst durch den entblatteten Forst zu stapfen, dabei mörderisch laut via Mp3-Player The Trees* von Pulp zu hören und nicht dem Drang widerstehen zu können, mitzusingen. Geht Petra-intern als Grabgesang durch, weil...
...in nördlicheren Gefilden kreiselt gerade der Winter wie ein Derwisch über die Landschaften und schüttet reichlich Flockiges aus seinen Flatterärmeln. Münster gestern stromlos. In den Niederlanden insgesamt 800km Stau. Und in einem kleinen Dorf nahe Wipperfürth? Da streckte eine gigantische Eiche nach kurzem Kampf gegen die weißen Massen ihre Äste, kippte mit einem durch die Krone geraunten »Na gut, das war es also« einfach um. Nein, nicht einfach, sondern auf meiner Eltern Haus. Aber das ist mir verhältnismäßig (Dach)latte. Der Baum ist es nicht. Der war wundervoll. Der herrschte über den wildbewucherten Hang, klaute den kleinen Tannen, den Stachelbeersträuchern, den Hecken, dem ollen Apfelbaum und den etwas jüngeren Kirschbäumen das Licht. Wurde nur knapp von den riesigen Fichten überragt, die weiter oben stehen. Die bei Sturm eine Gruselfilm-würdige Soundkulisse schaffen. Nun herrschen sie, die Fichten -- leidlich bedroht von einer Eichen-ähnlich gigantischen Buche. Doch die steht sehr hangrandig, sehr unwichtig. Wo kraxeln nun die Kleiber im Winter rauf, in welchen Ästen trifft sich die örtliche Eichelhäher-Gang? Wo lauern die Sperber den Singvögeln auf? Wo wandert mein Blick hin, wenn ich an Weihnachten am Küchentisch sitzend aus dem Fenster schaue. Wahrscheinlich genau da hin. Wo der Baum nicht mehr ist. Verdammte Scheiße!

*Übrigens ist die erste Zeile des wundervollen Songs die absolut passendste hier. Nur war das nie ein Luftgewehr. Sowas macht man mit 'ner Kleinkaliberbüchse.

Donnerstag, November 24, 2005

Der kleine Mann dort am Damm
Beweist sich seine wahre Größe
Indem er unten bohrt und schabt
Und später sich am Dammbruch labt.

(Spontane Dichtung nachts um zwei oder so. Gunnar schlägt übrigens als Titel »Die Linkspartei« vor.)

Mittwoch, November 23, 2005

Trusted Computing.
Anschauen! Befehl!
Unbeschreiblich, der Geruch. Der Geruch eines nach langer Zeit aktivierten Heizkörpers. Wenn es draußen schneeig ist. Wenn es draußen frostig schneeig ist. Dann will man -- sollte man zu diesem Menschenschlage gehören -- nichts weiter tun, als es sich in bequemsten Klamotten mit Kaffee oder Tee und Knabberzeuch vor dem Rechner oder der Konsole gemütlich zu machen. Man will Burgen erobern. Aus Gefängnissen ausbrechen. Geiseln befreien. Rennen gewinnen. Die Zeit zurückdrehen. Dabei diesen Geruch inhalieren. Winterzeit. Heizungszeit. Heldenzeit. Hach!

(Und seltsamerweise will man gleichzeitig den ganzen Tag durch die Schneelandschaft fahren und dabei Junkie XL hören. Versteh das, wer will.)

Donnerstag, November 17, 2005

Dienstag, November 15, 2005

Hier im Haus geht es ja in letzter Zeit zu wie im Taubenschlag. Also konkret eigentlich nur in der Mini-Wohnung (45qm oder so) unter meinen zwei nördlichen Zimmern. Letztes Jahr zog da Christina aus, die eingezogen war, nachdem Stefan ausgezogen war. Ich habe mal ein paar Monde neben Stefan wohnen dürfen. Zu Beginn meiner Zeit in Bayern. In der zweiten, ebenfalls eher kleinen Wohnung auf der ersten Etage. Stefans Bett muss damals genau neben meinem gestanden haben, nur auf der anderen Seite der Wand. Ich mutmaße das deswegen, weil [insert here: ich, Dirigentenstab, auf meinem Bett im Dunkeln stehend, den Takt für Stefan plus Gespielin (laut) vorgebend]. Tat ich natürlich nie wirklich, aber ich mag das aus irgendeinem Michael J. Fox-Film der 80er geklaute Bild.
Nach Stefan also Christina. Christina studierte irgendwas Soziales in München. Und bastelte. Ich war selten bei ihr, aber jedesmal erstaunt, wie viele durchsichtige Plastikdosen mit Perlartigem auf einen einzigen Fußboden passen. Christina war mit Matthias zusammen und ist es wohl noch immer. Der wohnte in Bad Tölz, wo Christina jetzt lebt. Matthias aber wohl nicht mehr. Aha.
Nach Christina ein Uwe. Der hauste aber die meiste Zeit nur auf dem Papier hier. Hatte angeblich Geld veruntreut in der Firma, war auf der Flucht. Haha, ja. Auf der Flucht. Das waren die Worte, die man über den Flur raunte. Die wenigen Wochen, die er tatsächlich die 45qm nutzte, hörte er schauderliche Musik (Bon Jovi und Konsorten), viel zu laut. Zudem trug er weiße Jeans. Ehrlich, liebe Vermieter, bei dem Namen »Uwe« wäre ich schon stutzig geworden (auch, wenn meine älteste Schwester jüngst einen ehelichte, aber der ist bis auf ein paar Uwe-Attitüden ganz normal), doch in der Kombi mit weißen Jeans und Bon Jovi -- wirklich nicht!
Nach Uwe ein Paar aus Dresden. Habe die Namen leider spontan vergessen, weil die zwei auch nicht den Drang verspürten, sich bekannter zu machen. War nämlich nur so ein Übergangswohnen, bis er seine Probezeit in der neuen Firma erfolgreich hinter sich gebracht hatte (Flurtratsch). Hat er wohl auch, und nun wohnen die zwei woanders größer (Flurtratsch).
Und jetzt: irgendso'n Typ, bisher nicht mal gesehen. Aber gehört. Zumindest seinen Bohrer (definitiv kein Hilti, viel zu leise dafür) und seinen Radiowecker (eher so was Bose-artiges). Ohne den hätte ich heute Morgen verpennt.

Montag, November 14, 2005

Moshpit, vertont

Und ich male einen Haken auf den geistigen Zettel mit der Überschrift »Dinge, die ich schon seit meiner Jugend dem 28. November 2004 machen will, wenn gerade nichts anderes zu tun ist«.
(Text von Herrn n|tropie, File* ist etwas weniger als 6,5 Mbyte groß und ein bisschen mehr als 7 Minuten lang.)
*Es fehlt ein »oft«, dafür gibt es ein »e« zuviel.

Sonntag, November 13, 2005

Der Eingangsbereich ist sehr glasig, sehr hoch, sehr weitläufig. Riesige Fenster. Nüchtern unbequem in einer Reihe platzierte orangene Designer-Sessel laden zum Ignorieren ein. Die Empfangsdame scheint fast absichtlich so drapiert, dass sie nicht aus den Fenstern schauen kann, sondern auf die Wand schauen muss. Nein, auch nicht auf die Wand. Auf den riesigen Flatscreen davor, der Gehirnwasch-Firmenbotschaften propagiert. Den ganzen Tag.
Alle Wege zu allen Treppen sind durch dicke Feuerschutztüren versperrt. Dafür Aufzüge aufdringlich an jeder Ecke. Eingebaute Faulheit.
Im zweiten Stock: wir. Direkt neben einer weiteren Feuerschutztür der Video-Raum. Erst seit kurzem mit schallschluckenden Stoffbahnen ausgekleidet. Die nützen nur gar nichts, wenn die Feuerschutztür ins Schloss fällt. Gegenüber: mein Büro. Wenn ich am Schreibtisch sitze, kann ich weder den gänzlich nutzlosen, dafür aber hübsch hässlich bepflanzten Innenhof noch den Himmel sehen. Ich sehe nur Wände und Fenster, hinter denen andere sitzen, die meine Wände, mein Fenster sehen. Wenn nicht gerade die Jalousien-Steuerung der Meinung ist, völlig sinnfrei Räume verdunkeln zu müssen.

Unser neues Verlagsgebäude (Kollege Schmidt bezeichnete es neulich als gedrungen) steht in der sogenannten »Parkstadt Schwabing«. Seit ich den Namen das erste Mal auf einem Schild las, grübel ich, was eigentlich genau »Parkstadt« heißen soll. Und wer mir hier jetzt kommentar-technisch mit »Is doch klar, der Englische Garten is gleich umme Ecke« kommt, der wird klick-technisch gelöscht.

Freitag, November 11, 2005

Während die meisten Redner von Profit, Umsatz, Zeuch oder -- für meine Ohren -- schlicht kryptischem Kram sprachen (und das dank modernster Beschallungstechnik so laut, dass eine geistige Flucht in spannendere Gefilde zur unlösbaren Aufgabe verkam), wagte er es (in seiner stets leicht jovialen Art, die er erstaunlicherweise sogar dann hinbekommt, wenn er aufgeregt ist), einen Zusammenhang zwischen »Heft«, »Job« und »Liebe« herzustellen. Unverbesserlich, der Mann.

Dienstag, November 08, 2005

Ich muss heute gegen Mittag beruflich nach Augsburg. Wird die erste etwas längere Autofahrt seit zwei Wochen. Ich freu' mich. Nicht auf Augsburg, nicht auf den Termin, nicht auf das Spiel, sondern auf Geschwindigkeit* plus Musik** plus Sonnenschein (hier Sonnenschein, ganz ausgezeichnet!). Und wie immer werde ich mir auf der Straße Großes und Kleines zurecht denken. Werde drei bis 27 tolle Sätze denken. Werde heute Abend alles vergessen haben. Auch wie immer. Ist aber nicht weiter tragisch. Es geht um die Bewegung. Auf der Straße. Und im Kopf.

*Mir fällt gerade ein, dass ein Großteil der Strecke mit einem Tempolimit von 120km/h belegt ist. Sehr ärgerlich.
**Für Elements (im Demo-Verzeichnis als Mp3 vorhanden) dürfte es noch ein wenig zu warm sein. Der Song funktioniert am besten an blauhimmligen, rauhreifigen Wintertagen.

Donnerstag, November 03, 2005

Schöne Grüße auch an den Vollpfosten, der einst das Gerücht in die Welt setzte, Shooter würden beim Abreagieren helfen. Überspitzt formuliert: Ich treff nicht mal 'nen Bus, in dem ich sitze, wenn ich in Weltkriegslaune bin. Was hingegen erstklassig klappt: auf einer CSS-Map der freien Wahl ohne Waffe in der Hand in einen Gegnerpulk rennen -- und sich abknallen lassen; vielleicht spaßeshalber dabei noch eine Granate vor die eigenen Füße werfen. Das macht man drei oder vier Mal in Folge, lässt sich vom Team als b00n beschimpfen und verschwindet wieder wortlos vom Server. Und schon geht es einem deutlich besser. Vielleicht war der anfänglich erwähnte Vollpfosten gar keiner. Er hatte vielleicht nur nie Gelegenheit, seinen Gedanken zuende zu formulieren.

Um der ganzen Aktion mehr Nachdruck zu verleihen, wünsche ich mir für's nächste Source-Update einen Hotkey zum Niederknien und Arme-in-die-Luft-reißen. Wer je das Ende von Platoon sah, weiß, was mir da im Speziellen vorschwebt. (Ein zweiter Hotkey für das Barber'sche »Adagio for strings« wäre auch fein, muss aber nicht sein.)