Donnerstag, September 28, 2006

Also wenn ich morgens beim Zuckeln durch die Baustelle am Kreuz München-Nord zunächst bemerke, dass neben mir ein neues 3er-Coupé zuckelt, dann am Ende der Geschwindigkeitbegrenzung bemerke, dass der Wagen von 60 km/h in nullkommanullweißnich Sekunden auf »absurd schnell« beschleunigt, ich dann anhand der beiden Auspuffrohre und ihrer Anordnung bemerke, dass es sich -- wie vermutet -- um einen neuen 335i handelt und ich dann bemerke, dass der Fahrer das Auto mit so einem saudoofen D-Aufkleber verschandelt hat, dann macht mich das echt fertig.

Montag, September 25, 2006

Übrigens ist das Oppenheimer-Zitat eins weiter unten -- das vielleicht keins ist, weil Wikipedia es beispielweise nur unter 'zugeschrieben' führt -- im englischen Original deutlich besser. Allein 'Now, I am become Death, the destroyer of worlds.' statt 'Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer von Welten.' hat einen so viel besseren Rhythmus, zum Weinen. Und apropos Zitat-Rhythmus: Am besten ist der überhaupt erst in 'Tears After The Rainbow' von Planet Funk. Wo Inspiration herkommt...

Sonntag, September 24, 2006

Die meiste Zeit, so schien es ihm, hing er bewegungslos vor einer riesigen schwarzen Wand, darauf zahllose leuchtende Fliegen-schisse. Distanz und Tiefe nahm er nur wahr, wenn er sich einem Planeten näherte oder sich von einem entfernte. Oft war ihm das Entfernen lieber. Oft blieb nicht mehr viel, von dem er sich entfernen konnte. Brocken nur, ehemals Kontinente, Inseln, Berge, Städte schwebten dann eine Weile vor der Wand.
Immer, wenn das passierte, fiel ihm das uralte Zitat eines Physikers ein: »Wir wussten, die Welt würde nicht mehr dieselbe sein. Ein paar Leute lachten, ein paar Leute weinten, die meisten waren still. Ich erinnerte mich an eine Zeile aus der Hindu-Überlieferung, der Bhagavad Gita. Vishnu versucht den Prinzen zu überzeugen, dass er seine Pflicht zu tun habe und um ihn zu beeindrucken nimmt er seine vielarmige Gestalt an und sagt: 'Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer von Welten.' Ich glaube, auf die ein oder andere Weise dachten wir das alle.« Dann kicherte er stets, schaltete den Autopiloten ein, drehte sich von den schwebenden Brocken fort und sagte laut: »Auf die eine oder andere Weise.« Vishnu, Oppenheimer, er. Er mochte die Reihenfolge.
Der letzte Einsatz einer Atombombe hatte zirka 600 Jahre vor seiner Geburt stattgefunden. Gelegentlich grübelte er über das Wo nach, denn in der Datenbank seines Schiffs fehlte diese Information. Über den Zweck grübelte er nie...

(Es ist doch zum Kotzen! Lieste mit Hingabe Krimis, willste Krimis schreiben, schauste mit Hingabe Sci Fi, willste auf einmal Sci Fi schreiben.)

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Samstag, September 23, 2006

Kein Scheiß: Gestern begegnete mir im Parkhaus des Stahlgru-ber-Centers der schönste Mann, den ich je live und in Farbe sah.
Kein Scheiß: Gestern an der Ampel stand neben meinem Wagen ein Smart, in dem ein Mann saß, der in einem Pornoheft blätterte.
Kein Scheiß: Gestern auf dem Weg zu Ampel und Stahlgruber-Center -- es war ca. 18:30 Uhr, der Himmel war klar, die Sonne stand tief und ich hörte Planet Funk -- war die Landschaft nur eine Ahnung, Autos waren nur sich schnell bewegende bunte Lichter und die A94 war ein goldenes Band, das alles überstrahlte. Alles.

Freitag, September 22, 2006


Boah, geht es langsam mal los? Server-Probleme, meine Fresse! Am Ende repariere ich tatsächlich heute noch mein Fahrrad.
Wie das mit der ganzen allgemeinen Firefly-Gutfinderei seinen Anfang nahm, ist recht einfach: Zu Beginn, als die Serie bei Fox in den USA lief, waren da die Buffy- und Angel-Fans, die schauten und Firefly schon allein deswegen gut fanden, weil Firefly vom Buffy- und Angel-Macher Joss Whedon ist. Zwar war da auch sicher ein mächtiger Haufen Buffy- und Angel-Fans, der Firefly nicht so gut fand, weil Whedon ihm Vampire, Latexmonster-masken (oder Monsterlatexmasken) und Sarah Michelle Gellar vorenthielt, doch der ist hier unwichtig.
Die Buffy-, Angel- und neuerdings auch Firefly-Fans jedenfalls latschten zu ihren Buffy- und Angel-Nichtfan-Freunden und sagten: »Hey, wissta, der Joss Whedon, der Buffy- und Angel-Macher, der hat ja 'ne neue Serie gemacht. Da kommen echt gar keine Vampire und Latexmonstermasken (oder Monsterla-texmasken) drin vor. Und Sarah fehlt auch. Da könnta ja mal reinschauen. Is nämlich toll.« Und die Freunde dachten: »Oh Mann! Bevor wir da jetzt nicht wenigstens einmal reingeguckt haben, um später stichhaltige Argumente für's Scheißefinden auftischen zu können, geben unser Buffy-, Angel- und neuerdings auch Firefly-Fan-Freunde wieder keine Ruhe.« Und sie sagten: »Na gut, wir schauen mal rein.«
An irgendeinem Freitag Abend dann: Zig Buffy- und Angel-Nichtfans sitzen also so vor der Glotze und schauen Firefly, obwohl sie viel lieber irgendwo anders sitzen oder was anderes schauen würden. Und sie wundern sich, dass das Raumschiff so billig und dreckig aussieht und sie vor der ungewohnten Schlunz-Kulisse ohne Blinkblink-Could-Be-Future-Tech-Effekte die Figuren so gut erkennen können, die in einer Tour großartig sind, selbst, wenn sie scheiße sind. Und zappzarapp -- aus den vormals Firefly-Nichtfans sind Firefly-Fans geworden, die wiederum andere anfixen. Leider aber nicht schnell und ausreichend viele genug -- sonst gäbe es die Serie vielleicht noch. Oder zumindest mehr als alberne 14 Folgen und den einen Film.

Mein Lieblingscharakter ist übrigens Jayne. Der ist irre gut! Als er am Ende von 'Ariel' in der Schleuse steht und den Captain bittet, den anderen eine wilde Räuberpistole statt der Wahrheit über seinen Verrat und seinen daraus resultierenden Tod zu erzählen -- da will ich ihn nur in den Arm nehmen und wiegen. Mädchen, ich.

Donnerstag, September 21, 2006

Was man nicht machen soll, wenn der eigene Wagen nur lächerliche 110 PS hat und man abends mit ihm heim fahren muss: den halben Bürotag mit einem 320si E90 über Brands Hatch brettern. Das ist ein so fieser Kontrast, nicht auszuhalten!
Der Focus hat neulich die dollsten Kapitalvernichter Deutschlands für 2006 gekürt. Auf Platz 1: CDV, eher so kleinerer Spiele-Pub-lisher aus Karlsruhe. Ich mach ja sonst 'nen Bogen um den Focus, aber um sowas komm' ich nicht rum, so große Kurven kann selbst ich nicht laufen. Jedenfalls: Als ich das las, musste ich ein bisschen lachen, weil der Preis eigentlich mir gebührt. Mal als Beweis: Jüngst war mir während des Tippens von Ichweißnichtmehr unglaublich nach Nightmares on Wax, speziell nach 'Carboot Soul'. Und ich hab' die CD ja, ich wusste nur in dem Moment nicht genau, wo ich sie eigentlich hab. Im Auto, im Büro, nur ein Zimmer weiter? Am Ende der ca. 2,5 Nanosekunden kurzen Überlegung klickte ich in meinem iTunes-Fenster auf 'Music Store'.

Ich weiß übrigens immer noch nicht, wo die CD ist. Aber jetzt ist mir das noch egaler, als es das vor'm iTunes Music Store schon war. Und wahrscheinlich ist die Scheibe ohnehin völlig zerkratzt.

Samstag, September 16, 2006

Serenity_Firefly
Und alles, was nach 14 Folgen und einem Film bleibt, ist der so-lala-tröstliche Gedanke, dass eine der besten Serien, die ich je sah, nicht dem Siechtum durch Ideenlosigkeit anheim fallen konnte.
Werdegang eines Aufregers in umgekehrter Reihenfolge:
  1. Infomüll aus meinem Verlag, voll grenzenloser Ignoranz gegenüber den genutzten Materialien.
  2. Google-Suche, die deutlich schneller Erfolg gehabt hätte, wenn zu Beginn des Videos der Name der Stadt richtig geschrieben worden wäre.
  3. Musikvideo
(Und jetzt bau ich mir endlich mein eigenes Mess-System für ph-Wert, Temperatur oder Leitfähigkeit von Wasser.)

Montag, September 11, 2006

Mich würde wirklich brennend interessieren, ob der heutige Tag irgendwie Einfluss auf den Absatz von Porsche 911ern hatte.
Mo sacht mir gerade, dass das andere schon vor 5 Jahren dachten.
(»Ford!« he said, »there's an infinite number of monkeys outside who want to talk to us about this script for Hamlet they've worked out.«)

Sonntag, September 10, 2006

Hab' gedacht, es sei vorbei, ich sei endlich darüber hinweg. Sozusagen clean. Und dann erwähnt irgendwer auf der anderen Seite des Globus' mir gegenüber, dass ja der geschätzte Kollege in so einer coolen Truppe sei, die jüngst mal wieder 'nen Preis gewonnen habe, und man fragt nach und man bekommt Antwort, notiert sich brav den Namen der Truppe und vergisst das Notierte glücklich, stolpert aber blöderweise wieder darüber und schon ist es passiert. Und im Anschluss hängt man X Stunden auf Scene.org ab, obwohl sich die 2005er-Demos konzeptionell nun auch nicht sonderlich von den -- sagen wir -- 2001er Demos unterscheiden. Egal, ich finde es noch immer beeindruckend, wie so viel Grafik-Gepose (vulgo: Grafick) in so wenige Bytes reinpasst. (Und am Ende braucht die Musik sowieso immer den meisten Platz.)

Lieblinge des Tages:
Iconoclast, Aether, Instant Zen, Tokyo (Neuestes Mitglied von xplsv ist übrigens er, der bei ArenaNet dafür verantwortlich ist, dass beispielsweise die Arbeiten von ihm auch auf Mini-Rechnern noch wundervoll aussehen.), Che Guevara (64k-Demo)

Freitag, September 08, 2006

Welche drei Dinge würden sie mit auf eine einsame Insel nehmen? Beliebte Frage. Hat man sicher auch während des Castings zu 'Lost' gestellt. So als Willkommenswitzchen vor »Setzen sie sich mal da auf das Sofa und tun sie bitte so, als seien sie gerade mit einem Flugzeug über dem Ozean verunglückt, haben aber überlebt, sind mit letzter Kraft auf ein urwaldiges Eiland geschwommen und werden nun von unheimlichen Wesen -- seien sie kreativ, denken sie sich irgendwelche Alien-Monster -- bedroht!«, um die Zusammenkunft aufzulockern. Bestimmt, ganz sicher.
Also ich kann 'Lost' ja nicht mit Verstand schauen. Und das liegt wirklich nicht an den Alien-Monstern (oder was es ist, das da hinter der Palme lauert). Sonst hätte ich da ein kleines jobtech-nisches Problem. Ich kann 'Lost' schlicht nicht wegen der auch nach Wochen noch immer schniegelglatten Frauenbeine und -achseln schauen. Was zur Folge hat, dass ich es gar nicht schaue.
(Welche drei Dinge würden sie denn nun mit auf die einsame Insel nehmen? Meinen Friseur, reichlich Tampons und das Schweizer Taschenmesser mit dem Niemals-Stumpf-Lady-Shave-Aufsatz.)

Donnerstag, September 07, 2006

Ich denk' ja oft bei schon älteren Mordsspannnendgeschichten: »Ah, ruf an! Ruf schnell an!« oder »Oh, gute Güte, schau doch einfach im Internet nach!« Obwohl ich mir während des Lesens meist sehr darüber bewusst bin, dass das nicht geht, dass etwa in den mittleren Achtzigern niemand einfach in die Hosentasche greifen konnte, um fix wen anzurufen, der auch nur in die Hosentasche greifen musste, um abzuheben. Oder dass etwa in den mittleren Achtzigern niemand -- zappzarapp -- bei Google nachschauen konnte, wer, wo, wie und überhaupt.
Wenn ich noch mal literaturwissenschaftliche Lorbeeren ernten könnte, würde ich mich an 'Der Einfluss von Mobiltelefon und Internet auf Plot- sowie Spannungsaufbau von Krimis' oder so ähnlich versuchen. Vielleicht gibt es derartiges aber auch schon. Ich schau flugs im Internet nach.

Dienstag, September 05, 2006

Warte aktuell auf eine Mail aus Illinois von einer mir total unbekannten jungen Dame. Und das kommt so: Der Mo und ich stehen vor einigen Wochen irgendwo im Dungeon 'Münchner Ostbahnhof' rum und ergötzen uns am Spaß-KZ-Aufmarsch der hiesigen Nicht-ganz-Stadt-aber-auch-nicht-Dorf-Jugend. Mein Blick bleibt dabei plötzlich an zwei Mädchen hängen, die zwar äußerlich ins Bild passen, deren Verhalten aber selbst für ungeschulte Augen meilenweit weg ist von der militanten Coolness der anderen dort. Das liegt -- ich gebe es zu -- daran, dass die beiden recht verstört vor einem Streckenplan stehen, immer mal wieder auf einen Zettel starren und sich auf Panisch-Amerikanisch austauschen. Ich kann bei sowas ja nicht teilnahmslos daneben stehen. Da bin ich ja Pfadfinder. Da will die gute Tat einfach begangen werden. Zunächst also biete ich meine Beraterqualitäten an. Am Ende der Beratung bin ich mir sicher: Die kannste nun auch nicht mehr so alleine durch München ziehen lassen. Beweise gibt es reichlich: Uhrzeit, Dunkelheit, Planlosigkeit. (Zudem tragen die zwei Aua-High-Heels, nicht geschaffen für ausufernde Verlaufereien. Und eigentlich beschäme ich Leute, die es am wenigsten erwarten, nur zu gerne durch besonders besondere Liebenswürdigkeiten.) Gedacht, gesagt: 'Hey, my car waits just around the corner. I can take you to blablabla...' Die beiden sind natürlich artig angemessen total von den Socken und stimmen zu. Mo und ich kutschieren die beiden dann durch die Nacht nach 'blablabla'. Und zeigen was von der Stadt, also was man so zeigen kann zu dieser Zeit. Viel ist das nicht, aber die beiden finden es dennoch incredible, immerhin machen sie 'Europe in 14 days' und sind für weniger als 24 Stunden in der Stadt, müssen also alles incredible finden. Sonst is so 'ne Tour ja für'n Arsch. Nach flatterigstem Small Talk (Ami-Mädchen 1: 'Oh, and I thought you were Americans.' - Wir: 'Erm...?' - Ami-Mädchen 1: 'Because of your English.' - Wir: 'Uh!') laden wir die beiden bei 'blablabla' ab. Vorher noch ein Foto für's Reisealbum, dann sind sie fort -- noch immer total von den Socken.
Heute, zig Wochen später, hole ich mein Auto (neue Lichtma-schine inklusive) bei Peugeot ab. Muss noch mal zurück in die Redaktion, um was hinten einzuladen. Klappe den Sitz um, denke 'Nanu, was is'n das?', greife mir ein kleines Leder-Etui, schaue rein. Darin Kreditkarte (Platin), Führerschein (mit Adresse) und anderer Kram. Und ich denke irrerweise für 2,5 Nanosekunden, dass es ja wohl eine bodenlose Frechheit von Peugeot ist, mein Auto an wildfremde Ami-Mädchen aus... Chicago? Huch, denke ich. Die zwei da, abends, die waren doch aus...huch, huch! Sowas aber auch, denke ich. Also!
Ich hab dann vorhin mal bei der Adresse, die auf dem Führer-schein steht, angerufen und auf einen AB gequatscht. Jetzt warte ich auf eine Mail aus Illinois von einer mir total unbekannten jungen Dame.

Montag, September 04, 2006

Zunächst beim Nägelknipsen hässlich verknipst, dann die Gesichtsmaske einfach so im Gesicht vergessen und diverse Klamotten eingesaut und im Anschluss das Nudelwasser versalzen. Nun nur noch herausfinden, in wen ich mich denn dieses Mal zweckloserweise verliebt habe. Weil: 'the sexiest game designer alive' kann es ja nicht wirklich sein. Da versagt selbst mein sonst so unbesiegbarer 'zweckloserweise in jemanden verlieben'-Skill gegenüber der Ratio. Ich überleg' für ungefähr 2,5 Nanosekunden hin und her, mir will niemand einfallen.

Später auf der Autobahn: 'Anomalie! Batterie laden!' und 'Anomalie! ABS und ESP deaktiviert!' und 'Anomalie! Airbag deaktiviert!' und 'Anomalie! Bremsverstärker deaktiviert!'. Zu guter Letzt auch noch die Servolenkung futsch. Dann die Bitte, ich möge anhalten. Mach ich glatt. Ich nehm' den Parkplatz, der da in 500 Metern kommt, ruf den ADAC an, der mir bald steckt, dass die Lichtmaschine nach nur 35.000 km aufgegeben hat. Ist gar nichts mit 'zweckloserweise verliebt sein', ist schlicht ein Pechtag.
(Süß auch in diesem Zusammenhang, dass sich der Parkplatz nach näherer Betrachtung des aufdringlichen Rumgeschleiches diverser windiger Gestalten um mein Auto als Parkplatzsex-Parkplatz entpuppte. Ein zünftiger Gang Bang wäre Samstagabend die geringste meiner Sorgen gewesen. Mir stand aber nach dem lausigen Vorspiel echt nicht der Sinn nach Triple-Penetration an Beton-Picknicktisch.)

Sonntag, September 03, 2006

Gestern also Lesung im Stragula mit Herrn Siegismund in seiner Paraderolle: exquisite Rampensau. Angenehm an seinen Beiträgen: nicht zu lang, nicht zu kurz, mit dem typischen Siegismund'schen Humor (sympathische Mischung aus Irrwitz, Selbstironie und Selbstverliebtheit). Angenehm auch, dass er sich nicht wie manch anderer dort an Klischees bedient hat oder die super Metapher, den super Vergleich (beides plus unbedingtem zeitgeistigem Bezug für den großen Haha-Effekt) im Folgesatz und im Folgesatz und im Folgesatz gleich noch mal toppen musste. Ist toll, wenn man so farbenfroh schreiben kann, keine Frage. Aber bei einer Lesung erschließt sich mir als schlichter Zuhörer am Ende leider nur Matsche ohne Akzente. Schade um die Farben.
(Schlüpfriger Verständniszusatz für die Schluderleser hier: Der Siegismund kann ganz ausgezeichnet mit seinem Pinsel umgehen. )

Samstag, September 02, 2006

Er läuft wahrscheinlich gerade ein bisschen nervös zwischen Schreibtisch und Sofa auf und ab und liest sich selbst was vor. Warum? Weil er gleich anderen was vorlesen möchte. Freu mich auf 'ne geile billige Doppelnummer: 4 Euro nur, im Stragula.
(Okay, er hat noch gepennt, und ich hab ihn soeben geweckt. Auch gut.)

Freitag, September 01, 2006

In schlechter Tradition hätte ich ja mal wieder ein angefangenes, aber nicht fertig gestelltes SZ-Kurzkrimidings im Angebot. Begonnen schon recht früh, dann schlicht vergessen. Vergessen! Und das, wo ich ansatzweise mal eine Idee hatte, wie das alles enden sollte. Nämlich am Ende des Anfangs, im Ledergeschäft. Dazwischen Reihung von Flashbacks. Nun ja.

Das Ledergeschäft bestand aus zwei Abteilungen. Die eine war für Jugendliche und eher durchschnittliche Steuerzahler, mit Sonderangeboten bis knapp unter einem Tausender. Die andere war äußerst exklusiv und lag buchstäblich eine Ebene über dem Rest des Ladens.
Der charakteristische Geruch von Haut und Leder wurde mit jedem Schritt, den ich weiter in den Laden tat, stärker. Als ich die vier Stufen zur Oberklasse hinauf-stieg, fiel mir ein anderer, unbestimmter Geruch auf…

(bis hierher SZ-Vorlage)

…der, je näher ich kam, immer bestimmter wurde. Ich hielt kurz inne, inhalierte, wollte umdrehen. Tat es nicht.
Niemand war zu sehen. Jedes Designer-Label hatte seine eigene kleine Boutique-artige Nische hier oben. Die wenigen Menschen, die sich ohne Scheu her wagten, verschwanden hinter schlichten, dezent beleuchteten Regalen.
Ich ging ein paar Schritte über den Dielenboden. Er knarrte nicht. Auch sonst war es still.
Dann eine Frauenstimme, laut, aber nicht unangenehm. Sie kam aus einer Ecke schräg links vor mir und ließ das diffuse Aroma kurz aus meiner Nase verschwinden.
»Und in grün mit lila Applikationen?«
Aus der Nische rechts – direkt auf meiner Höhe – die Antwort. Eine Männerstimme. Leise, weich, durchdringend. Ein leicht spöttischer Singsang darunter. Noch wie damals.
»Du bist albern«, sagte die Stimme. Ich konnte sie lächeln hören. Und wieder riechen. Geruch und Stimme gewannen an Dichte.
Nicht hinschauen. Schritt nach vorne. Vorbei an der Ecke.
Nutzlos. Ich wusste, er hatte mich gesehen. Meine Sinne waren in seiner Nähe stets am Anschlag gewesen. Ich blieb stehen und wartete.

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»Da bist du.«
»Da bin ich«, sagte er.
Später stand er auf, stellte sich nackt vor das geöffnete Hotelfenster und blickte auf die belebte Straße. Meine Idee von der Romanze mit einem Verbrecher wollte, dass er dabei rauchte. Doch kein Klischee von ihm. Nicht für mich. Ich war das einzige Klischee.
Ich wollte ihm erneut sagen, dass ich ihn liebte, traute mich wieder nicht. Also sagte ich anderes, nur um irgendetwas zu sagen.
»Ich habe das vermisst.«
Er nickte.
»Wann und wo dieses Mal?« fragte ich.
Er antwortete knapp – nur auf den ersten Teil der Frage.
»Darf ich wissen, wer?«
Kopfschütteln. »Du weißt ohnehin schon zu viel.«
»Ich würde es nicht verraten.«
»Ja, vielleicht würdest du das wirklich nicht.«
Er drehte sich um.
Wieder später war er es, der zuerst ging.
Ich verstand es, als zwei Polizisten nur wenige Tage darauf vor mir standen, um der frischgebackenen Witwe ihr Beileid auszusprechen.
Wann? Er hatte nicht gelogen.
Nach Wochen des Wartens überlegte ich, ob ich reden sollte, ob ich von ihm erzählen sollte, seinen Namen nennen sollte. Nur, um ihn wieder zu sehen -- egal, zu welchem Preis für uns beide. Doch ich hatte auch nicht gelogen.

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»Das ist schon sehr unglaublich, findest du nicht?« Ich erwartete eigentlich keine Antwort.
»Ich habe dich gerade geküsst. Ich glaube es.«
»Wie lange ist es her?«
»Ist das wichtig?«
»Nein.«
Ich wich ein paar Schritte zurück und schaute ihn an.
»Du bist gewachsen.«
»Du bist verheiratet.«
»Ist das wichtig?«
»Nein.«

etc.pp.