Dienstag, Oktober 31, 2006


Diese eine Truppe zu erledigen, ist nicht mal nötig, um die Mission zu schaffen. Ist nur für den Bonus wichtig. Aber wer bin ich denn, dass ich mich von drei albernen Mönchen (zwei normale, ein Boss-Mönch), einem Elementar-Magier, zwei Nekromanten und diversen Kriegern ärgern lasse?
Das ist das Tolle an Guild Wars Nightfall: Ich beam' mich einfach mit der Mannschaft zurück in die nahe Siedlung, ändere die Aufstellung, passe die Fertigkeiten meiner Helden der Situation an und mach' im Anschluss Mönche, Magier und Co. einfach platt. Das ging in Prophecies und Factions nicht. Jetzt schon. Ich liebe es!
(Keine Sorge, hier geht's jetzt nicht nur noch nur um das Spiel. Und wieso hat Zhed Shadowhoof eigentlich 'Thunderclap' dabei? Das Ding nützt einem rein gar nichts, wenn man es nicht mit...ach, egal.)

Sonntag, Oktober 29, 2006

tightrope_artist
Das Leveln dauert deutlich länger als in Factions, aber die Missionen sind -- bisher zumindest -- abwechslungsreicher. Und einen Paragon zu spielen -- nun, wider Erwarten erstaunlich spaßig. Und teuflisch effektiv. Am besten sind aber die neuen Helden. Die funktionieren einwandfrei. Wie konnte ich jemals ohne einen ordentlichen Shutdown-Ranger an meiner Seite leben, der mir die blöden Caster vom Leib hält? Fazit nach Erreichen von Level 17 (inklusive Status 'Sunspear Commander'): Hach, groß!

Mittwoch, Oktober 25, 2006

Oh weh! Gerade kam die Collector's Edition von Guild Wars Nightfall an. Das ist schlimm, es geht ja erst am Freitag los.
(Soeben festgestellt: Ich kann mir nicht mal die Making-of-DVD anschauen, weil ich mir dabei vor Freude fast in die Hosen mache.)

Dienstag, Oktober 24, 2006

Ach nö! Weil so viele Männer wahrscheinlich die Frau darin so toll fanden, haben sie sich ständig das Video von 'Love Can Damage Your Health' (Télépopmusik) auf YouTube angeschaut. Das hat dann so ein raffzahniger Copyrightler bemerkt und es -- zappzarapp -- entfernen lassen. Jetzt gibt es das Video über iTunes. Wo ich es mir kaufen musste. Und warum musste ich?

love

Montag, Oktober 23, 2006

Wenn ich zwischen 'komplett doof sein', 'halbdoof sein' oder 'einvierteldoof sein' wählen müsste -- ich würde auf jeden Fall das Komplettpaket nehmen. Wenn man nämlich nur halbdoof oder gar nur einvierteldoof ist, erwarten die Menschen nicht zwingend Doofheit von einem. Macht man dann aber doch mal was Doofes, gibt es Seufzen, Zähneknirschen und Gelästere im Stile von 'Gott-chen, der is aber auch manchmal so unfassbar doof, nicht auszu-halten!' und alle schauen schrecklich verächtlich. Ist man aber komplett doof, gibt es höchstens ein 'Ach, der kann da ja nix für, der is eben doof.', dazu mitleidige Blicke. Vielleicht auch Kuchen?

Sonntag, Oktober 22, 2006

Gerade versucht, in der Wanne liegend ein Buch zu lesen und dabei Chips zu essen. Lasst euch sagen, kein glückliches Unternehmen.
Das Buch ist dennoch Klasse.

Mittwoch, Oktober 18, 2006

Heidi, meine Nachbarin, lebt auf großem Fuß. Das ist auch richtig so, denn oberhalb des Fußes, rechter wie linker, geht es mächtig in die Höhe. Heidi ist sicher an die 1.78 Meter groß. Vielleicht. Jedenfalls ist sie nicht klein, ich erwähnte es hier schon mal.
Ich beneide sie ein wenig. Nur ein wenig, denn a) will ich gar nicht 1.78 Meter groß sein, sondern vielleicht nur 1.70 Meter und b) hat sie da das Problem mit den Schuhen. Okay, okay, falsch, mit den Schuhen hat sie gar kein Problem, die findet sie nämlich super. Heidi stöckelt gerne, Heidi stöckelt so unglaublich gerne, dass sie manchmal an den Wochenenden sogar in den Bergen stöckelt. Hiking nennt man das, glaube ich. Da nimmt man zwei Skistöcke und stöckelt -- ganz ohne Skier und Schnee -- die Hänge rauf. Aber auch ohne Stöcke stöckelt Heidi gerne. Klackklack macht es abends oft im Flur. Da weiß ich dann je nach Tempo und Lautstärkeverschiebung, ob Heidi heim oder fort stöckelt.
Nun aber das Problem bei der ganzen Stöckelei: Das ist alles nix Halbes und nix Ganzes, denn Heidi kauft sich -- ihrem Freund zuliebe wohl -- niemals richtige Stöckelschuhe. Alle ihre Schuhe haben nur so angedeutete Stöckel drunter. Stöckelchen. Winzig. Ich glaube, manchmal höre ich sie nachts ganz leise in die Kissen weinen. Weil ihr Freund ein solcher Pimpf ist.
Deswegen (oder einfach auch nur so) finde ich ja seit Beginn meiner Männergutfindephase alle Männer unter 1.80 Meter relativ bis total ungut. Früher war es prophylaktisch, ich konnte ja nicht ahnen, dass ich so ein abgebrochener Zwerg bleiben würde. Und nun mag ich mich auch nicht mehr umgewöhnen.

Apropos 'gewöhnen' und Stöckelschuhe: Aktuell überlege ich, ob ich meine durch einen Sommer auf Sneakern oder auf nix total entstöckelten Füße an die neuen Pumps auf heimischem Parkett gewöhnen soll. Das nur, um Herrn Florian -- oder wie er auch immer heißt -- in der Wohnung unter mir für seinen schauderli-chen Musikgeschmack zu bestrafen, mit dem er mich zu den unmöglichsten Zeiten belästigt. Neulich, ich kam angemessen ausgelaugt aus dem Büro, waren es die Rolling Stones, die schlechten. Der Bub ist gerade mal 20 oder so. Herrje!
Und sollte ich jemals in Pumps das veranstalten können, zu was ich barfuß mit der richtigen musikalischen Untermalung (nicht, niemals, auf gar keinen Fall die Stones) in der Lage bin, dann habe ich den Grad an Körperbeherrschung erreicht, mit dem ich zufrieden sterben mag. Irgendwann später. Momentan würden mir ein paar Stunden normales Gehen ohne anschließende Jammerzehen schon reichen.

Dienstag, Oktober 17, 2006

Wisst ihr, was mich wirklich, wirklich fertig macht? Dass PeterLichts großartige 'Lieder vom Ende des Kapitalismus' von iTunes unter 'Easy Listening' geführt werden. Das macht mich sowas von fertig. Und was noch, was noch? Oh Mann! Kom-munikationslags machen mich sowas von fertig, aber hallo! Kann sich die Welt mal bitte auf meine Ungeduld einstellen? Ich meine, also wirklich, Zeit genug hatte dieser Scheißklumpen rotierender Eitel-, Nichtig- und Unsinnigkeiten ja wohl. Ich werde nächstes Jahr verdammte 33. Meine Fresse! Überhaupt mal, diese unkon-kreten Menschen all überall, Gottchen, die machen mich auch sowas von fertig. Manchmal kann ich mich aber auch künstlich aufregen! Das macht mich am allerallerfertigsten. Von allem.

Montag, Oktober 16, 2006

»Artist as observer, peering through the fog of common sense? Delightful.« (Delightful, without doubt. Will meinen: lesen!)
Edelbitter-Mousse-Guave-70-Prozent-Kakaogehalt-Lindt-Schokolade macht übrigens high.
(Vielleicht ist es aber auch nur das Wissen um die Tatsache, dass morgen drei Wochen Urlaub ihren Anfang nehmen.)

Sonntag, Oktober 15, 2006

Eigentlich wollte ich Mr. Jeremy »Ach, hier ist noch Platz für 200 Synthi-Geiger« Soule spaßeshalber einfach mal nicht mehr gut finden. Aber das Introstück für Guild Wars Nightfall ist leider zu toll. Wenn sich in der zweiten Schleife das »Pling! Plingpling!« der Synthi-Sitar (glaube zumindest, dass es eine Sitar sein könnte oder sollte, jedenfalls was zum dran Zupfen) unters Thema mischt, bekomm' ich eine Gänsehaut. Kann ich nix gegen machen. Das ist alles so toll akzentuiert, dass man darauf eine 1A-Tanznummer stellen könnte: Ballett-Menschen tanzen erkennbar einen PvP-Kampf nach -- in ganz dezenten Kostümen. Bei den wunderbar ausgearbeiteten Bewegungen der einzelnen Klassen ist das kein Problem. Und es würde sich sicherlich ganz schön super auf Messen etc.pp. machen. Wieso ist eigentlich noch niemand bei der PR-Truppe von Arenanet/NCsoft auf die Idee gekommen? Herrje...

Donnerstag, Oktober 12, 2006

Ich hätte ja übrigens Hornhaut am rechten Außenknöchel.
Vom Schneidersitzen.
Was ich so von Battlestar Galactica halte, fragte neulich wer irgendwo weiter unten in den Kommentaren. Ich sah ja bisher nur den Pilotfilm. Und von dem halte ich das:
»Commander Adama, Sir. Well, we've managed that incredible hyper light jump out of a raging fight against the Cylons straight into the middle of nowhere. Here we are, full of doubt, fear, despair, bla, bla -- the usual stuff when humankind is at the edge of doom. Now you're telling us that this legend about the 13th colony called Earth is no legend at all but the fucking truth. And you're telling us that we should try to get there 'cause it's save and you -- only the Lords of Kobol could solve that riddle -- know the coordinates. And you're telling us that the journey will be a hard and long one. Why? Why don't we just use that damn coordinates to hyper light jump right to the spot? Ah, I see, there would be no season 1 and 2 of Battlestar Galactica. Forgive my asking.«

Dienstag, Oktober 10, 2006

Weil hier aber auch gerade sonst gar nichts Blogwürdiges passiert, schnappe ich mir auf die Schnelle zwei Stöckchen. Eins kommt aus San Francisco von Herrn Worch, das andere aus -- Gottchen, wo wohnt denn der Herr Eggert gleich noch mal?

Stöckchen 1: One Hit Wonder. Gesucht sind Musikalben (keine Compilations), die man hat und von denen man genau einen einzigen Track hört.
Hätte ich nur ein einziges, und das höre ich rein gar nicht mehr: Beyonce -- Dangeroulsy In Love. Darauf nur kurzweilig erträglich 'Crazy In Love'. Nutzt sich wahnsinnig schnell ab, der Song. Den Rest habe ich nie bewusst gehört. Geht wahrscheinlich gar nicht.
Stöckchen 2: Fünf Dinge
Fünf Dinge, die ich nicht habe, aber gerne hätte:
Zeit
das neue Z4-Coupé
das neue 3er-Coupé
Zeit
Zeit
Fünf Dinge, die ich habe, aber lieber nicht hätte:
ein Kilo
ein Kilo
ein Kilo
ein Kilo
zwei Kilo
Fünf Dinge, die ich nicht habe und auch nicht haben möchte:
eine Verbrennflagge
einen schlechten Filmgeschmack
einen schlechten Musikgeschmack
einen schlechten Buchgeschmack
einen schlechten Menschengeschmack

Freitag, Oktober 06, 2006

Du schreibst in einer Krimi-Stil-Tradition, die sich schon lange bewährt hat, sehr knapp, sachlich, du weißt schon: keine Schnörkel und so weiter. Das ist für mich (im Gegen-satz zu deinem Blog) noch einen Hauch von zu antiseptisch bzw. zu unpersönlich, das könnte mehr Schmitzchen ver-tragen. Korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber ich hab so den Verdacht, da hast du noch zuviel Respekt vor der Form, als ob du dich in einer fremden Wohnung befinden würdest, in der du dich bemühst, nichts kaputt zu machen und die Regeln des Gastgebers nicht zu verletzen. Kann noch mehr deine Wohnung werden mit deinen Regeln.
Behauptet der sehr verehrte Mann mit Fisch im Ohr. Aber wenn der Gute wüsste, wie chaotisch es in meiner Wohnung zugeht...
Wenn ich wohnungsregelmäßig schreiben würde, würden Sätze über Wäscheberge stolpern und danach mit dem Punkt beginnen. Und der Detektiv würde den Gärtner zuerst mit einer ungespülten Tasse töten (oder auch mit dreien, nur um sicher zu gehen) und ihn anschließend in einem Verhör elegisch kryptisch danach befragen, ob er denn wohl -- vielleicht, möglicherweise, wenn's keine Umstände macht -- wisse, wo -- zum Henker! -- der verma-ledeite Brief mit der komischen Nummer steckt, die für diese neumodische Steuererklärung benötigt wird. Etwa so. Derartiges will ja dann auch niemand lesen.

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Kinder, Kinder, sollte ich noch mal und wieder als Mensch auf die Welt kommen, wähle ich einen Job, bei dem ich sicher bin, dass ich die Arbeit nicht mit heim nehmen kann. Braunkohlebagger-fahrer oder Flugzeugträgerkapitän oder so was.

Dienstag, Oktober 03, 2006


Jubelgrund in Minute 14 des Pilotfilms von Battlestar Galactica.
(»Firefly is a good design. People don't appreciate the substance of things. Objects in space.« Jubal Early in 'Objects in Space'.)

Sonntag, Oktober 01, 2006

Changes
Könnte ich mir ja allein der Musik wegen den ganzen Tag antun.
Endlich geschafft: Mein erster SZ-Kurzkrimi ist fertig. Hier nun exklusiv (höhö) die Fassung, die mir von vier existenten Fassungen am meisten zusagt. Lesewalkthrough: Das Kursive ist die Vorlage der SZ, stammt aus dem Roman 'Die dunkle Seite des Mondes' von Martin Suter. Suter, das muss ich anmerken, hat entweder keinen oder einen sehr mittelmäßigen bis schlechten Lektor. 'Aufgeklärter' Himmel über 'kahler Waldkuppel'? WTF?

Nur ein Unfall

Der Himmel über der kahlen Waldkuppel hatte sich aufgeklärt. Zwischen den silbernen Buchenstämmen glänzte das Laub in der Nachmittagssonne. Urs Blank überlegte, wann er das letzte Mal durch einen Wald gegangen war. Er konnte sich nicht erinnern.
Er war vor zwei Monaten fünfundvierzig geworden und galt in Fachkreisen als einer der brillantesten Wirtschaftsanwälte des Landes. Seine amerikanische Zulassung hatte ihn zum Experten für Firmenübernahmen und Fusionen mit schweizerisch-amerika-nischer Beteiligung werden lassen. Einige der bedeutendsten mergers der letzten Jahre trugen seine Handschrift. Er verdiente viel Geld, und weil er wenig Zeit hatte, es auszugeben, war ihm einiges davon geblieben. Er hatte eine zum Glück kinderlos gebliebene Ehe mit Anstand hinter sich gebracht und lebte mit Evelyne Vogt zusammen, einer unabhängigen Frau, die einen Laden für Designmöbel aus den zwanziger und dreißiger Jahren besaß.
Urs Blank hatte mehr erreicht, als er sich zu Beginn seines Jurastudiums hatte träumen lassen. Aber etwas stimmte wohl nicht in seinem Leben.

Denn er konnte sich nicht nur nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal durch einen Wald gegangen war, er konnte sich auch an den Rest nicht erinnern. Und Urs Blank wäre für ihn nur irgendein Name gewesen. Wie der des Mannes, der seit 20 Minuten neben ihm ging.

»Paul Malär. Ich bin hier Förster. Ich bringe Sie zu meinem Wagen und dann ins Krankenhaus.« So hatte sich der Mann vorgestellt, ein paar Minuten nachdem er Urs an einen Baumstamm gelehnt gefunden hatte.
»Krankenhaus?«
»Die Wunde an Ihrer Stirn muss genäht werden. Und um den Rest kümmern die sich auch.«
Um den Rest.

»Das wird Ihr Wagen sein. Haben Sie wenigstens einen Schlüssel? Vielleicht sind Ihre Papiere da drin.«
Die beiden Männer standen am Rand des Walds und schauten auf einen Schotterparkplatz. Dort warteten zwei Autos. Eines war ein älterer Mercedes-Geländewagen, das andere ein neuer 7er-BMW.
Urs griff an seine Hosentaschen und fühlte, wie man so fühlt, mit einem leichten Klaps. Nichts. Er griff an seine Jackentaschen. Er spürte eingetrocknetes Blut, er spürte Dreck unter eingerissenen Fingernägeln, er spürte wunde Hände.

Zwei Minuten später saß Urs auf dem Beifahrersitz des Mercedes und schaute durch den Rückspiegel zu, wie der Mann den BMW durchsuchte.
Wieder zwei Minuten später öffnete sich die Fahrertür des Geländewagens.
»Urs Blank. So heißen Sie.«
Der Mann hielt Urs ein Mobiltelefon und eine Portemonnaie hin. Urs legte die Sachen auf seinen Schoß.
»Sie wollen nicht reinschauen?«
»Später«, antwortete Urs. »Ich habe Durst.«
Auf der Fahrt stoppte der Mann an einer Tankstelle und kaufte eine Flasche Wasser. Sie war leer, als der Mercedes vor dem Kantonsspital in Richterswil hielt.

Urs wurde erst am nächsten Tag wieder wach. Seine Schläfe schmerzte. Er wollte weiterschlafen. Es gelang nicht.
Nach etwa einer Stunde öffnete sich die Tür.
»Guten Morgen. Ich bin Oberarzt Roffler, das ist Schwester Angehrn. Wie fühlen Sie sich, Herr Blank?«
Urs Blank. Das war sein Name. Das hatte der Mann ihm gesagt.
»Ich weiß nicht. Ich glaube, ich fühle mich ganz gut«.
»Sie wissen, dass Sie eine Amnesie haben?«
»Ja.«
»An was können Sie sich erinnern?«
»An alles, was passiert ist, nachdem mich der Förster gestern gefunden hat.«
»Und davor?«
»Nichts.«
»Retrograde Amnesie. Mich verblüfft, dass Sie sich darüber bewusst sind und gleichzeitig so ruhig wirken.«
»Schock?«
»Mag sein. Herr Blank, Sie brauchen jetzt vor allem Ruhe. Doch wir haben ein kleines Problem. Da ist diese Frau Vogt, die hier einen rechten Wirbel veranstaltet und unbedingt zu Ihnen will. Offenbar wurde sie von Ihren Kollegen verständigt, nachdem wir in Ihrem Büro angerufen haben. Kurz: Sehen Sie sich in der Lage, Frau Vogt für zehn Minuten zu empfangen? Sie sagt, sie sei Ihre Lebensgefährtin.«
»Sicher.«
Schwester Angehrn ging sie holen.

Als die Frau wieder fort war, fühlte Urs sich seltsam. Evelyne Vogt, schön, schlank, gut riechend, gut gekleidet, offenbar besorgt – sie hatte geweint – schien alles über ihn zu wissen. Er wusste nichts über sie. Er fragte sich, warum er mit ihr zusammen war.

»Und?« fragte Roffler wenig später.
»Ich habe sie vorgestern Nachmittag wohl noch angerufen und nichts außergewöhnliches erzählt.«
»Irgendwelche Erinnerungen daran?«
»Nein, tut mir leid.«
»Es ist wahrscheinlich noch zu früh.«
Der Arzt verschwand. Kurz darauf erschien Schwester Angehrn mit einem Tablett. Darauf etwas zu essen und zu trinken und eine Schlaftablette.

Urs blieb für eine Woche im Kantonsspital. Evelyne brachte Kleidung, Fotos, einen Karton mit Erinnerungsstücken, wie sie sagte, und Unterlagen aus seinem Büro. Einmal war sie in Begleitung von zwei Polizisten, doch die Beamten gingen schnell wieder.
Seine Kollegen schickten Blumen über Fleurop.

Zwei Nächte vor seiner Entlassung hatte Urs einen Traum. Er lief durch einen Wald und spürte Angst wie nie zuvor in seinem Leben.
Er erzählte Roffler davon.
»Ob der Traum etwas mit der Realität zu tun hat, werden sie erst erfahren, wenn die Erinnerungen wiederkommen, fürchte ich.«
»Wissen sie, manchmal habe ich das Gefühl, dass da nichts ist, an das es sich zu erinnern lohnen würde.«
Roffler lachte.
»Sie sind ein erfolgreicher Anwalt, verdienen im Monat wahrscheinlich mehr als ich in zwei Jahren und haben eine bildschöne Partnerin. Und daran soll die Erinnerung nicht lohnen?«
»Sie haben recht. Ich mag den Gedanken, reich zu sein.«
»Na also!«
Urs lief in der kommenden Nacht erneut durch den Wald.

»Schönes Auto«, sagte Urs am nächsten Morgen, als ihm Evelyne überflüssigerweise dabei half, in einen Porsche einzusteigen.
Dann sagte er nichts mehr, genoss die Fahrt am See entlang und verdrängte die Frage, wer er wohl sei. Die Frage tauchte wieder auf, als er vor einem großen Haus mit großem Garten am Rand von Zürich stand.

Nachdem er ein paar Minuten wortlos auf einem schlichten, modernen Sofa gesessen hatte, ließ er sich herumführen. Dann bat er Evelyne, ihn allein zu lassen und ignorierte die Enttäuschung auf ihrem Gesicht.

Er ging früh zu Bett, träumte wieder und vermisste nach dem Aufwachen Schwester Angehrn und ihr Frühstückstablett. Er rief in einem Laden für Designmöbel aus den zwanziger und dreißiger Jahren an, er hatte es versprochen. Den Rest des Tages ging er durchs Haus, zu Beginn mit Enthusiasmus, später halbherzig auf der Suche nach sich selber. Am frühen Abend klingelte das Telefon. Nein, sie solle nicht kommen, er brauche ein bisschen Zeit für sich. Das sei bestimmt bald vorbei und alles wäre wieder wie früher.

Während er die Frau am anderen Ende der Leitung zu beruhigen versuchte, öffnete er eine der Kommodenschublade. Seine Hand begann, zwischen Papier zu kramen. Die Hand fand ein Foto, nahm es, hielt es vor Urs Augen. Er erkannte beide Personen darauf sofort. Der Mann – er selber, nur jünger, die Frau neben ihm – längst tot. Ihr Name war Vera gewesen. Sie war vor 15 Jahren bei einem Autounfall gestorben.

Urs verabschiedete sich von Evelyne, mit der er zusammen war, weil sie schön und schlank war, gut roch und sich gut kleidete, legte auf und setzte sich in einen Sessel. Dann erinnerte er sich, wann er das letzte Mal in einem Wald gewesen war – und warum.

Er fuhr er gegen 18:30 Uhr in Frankfurt los. Bei Mannheim machte er an einer Raststätte Halt, ging zur Toilette, kaufte sich eine Flasche Wasser, fuhr wieder los, stoppte nach 200 Metern abermals. Für die Anhalterin, die kurz vor der Autobahnauffahrt wartete. Sie hielt ein Schild hoch, auf dem »Zürich« stand.

»In so einem Wagen bin ich noch nie gefahren.«
»Und ich habe noch nie eine Anhalterin mitgenommen.«
»Wieso jetzt?«
»Keine Ahnung.«
»Langeweile? Midlife Crisis? Mal was Verrücktes machen?« Sie kicherte und band lange dunkelblonde Haare zu einem Zopf.
»Wahrscheinlich«, antwortete Urs.
»Regina.«
»Urs.«

Sie war jung, sie war hübsch, sie war Studentin und sie flirtete. Sie flirtete anders als es Frauen sonst taten, die Urs traf. Anders, als es Evelyne tun würde.

Bei Muttenz verließ er die Autobahn ein zweites Mal an diesem Tag. Es wunderte ihn nicht, dass sie Kondome dabei hatte. Es wunderte ihn dagegen sehr, dass sie reglos neben der offenen Tür des BMWs lag, als er von einem kurzen Pinkelausflug zurückkehrte. Die Innenbeleuchtung des Wagens wurde von ihren offenen Augen und Blut auf dem großen, spitzen Stein nahe ihrer rechten Schläfe reflektiert. Sie musste gestolpert sein.

Urs sparte sich, einen Puls zu suchen. Urs sparte sich die Gedanken an einen Notruf, an Fragen von Polizisten, an Fragen von Evelyne, an komische Blicke von Kollegen, an ein recht wahrscheinliches Ende seiner Karriere. Er suchte, fand die Tüte, die er auf der Rückbank des Autos vermutete, stülpte sie Regina über den Kopf und schaffte den Körper in den Kofferraum. Er goss den Rest des Wassers und eine Flasche Frostschutzmittel über den Blutfleck neben dem Wagen. Er rief Evelyne an, sagte, dass es in Frankfurt länger als geplant dauern würde. Dann fuhr er los. Reginas Sachen warf er bei Wettingen in einen Mülleimer.

Das letzte Mal, dass er auf dem Schotterparkplatz gehalten hatte, war vor etwa 15 Jahren gewesen. Vera war bei ihm gewesen. Ihr Weg hatte sie zur kahlen Kuppe geführt, von der man einen tollen Blick auf den See hatte. Dahin wollte er nicht gehen.

Regina war nicht schwer, aber die Finsternis machte das Vorwärtskommen mühsam. Er stoppte in einer Schonung, dichte, niedrige Fichten versprachen Schutz. Er suchte einen stabilen Ast und begann, den Boden damit zu lockern. Als es hell wurde, war das Loch längst nicht tief genug. Er deckte es notdürftig ab, zog die Leiche in ein Gestrüpp, legte sich daneben und wartete.

Gegen 15 Uhr rief er erneut Evelyne an. Die Besprechungen zögen sich hin, es würde noch bis morgen dauern. Sie kenne das ja.
Gegen 21 Uhr begann Urs wieder mit dem Buddeln. Er hatte keinen Hunger, aber schrecklichen Durst. Seine Hände schmerzten. Gegen 3:30 Uhr war von Regina nichts mehr zu sehen. Urs machte sich auf den Rückweg.

Im Wagen legte er sein Handy und sein Portemonnaie auf den Beifahrersitz, die Hände aufs Lenkrad und spürte, wie endlich die Panik kam. Er startete den BMW, fuhr ein paar Meter, hielt an. Er stieg wieder aus und rannte los, hinein in den Wald. Rannte, wie nie zuvor in seinem Leben, hatte Angst wie nie zuvor in seinem Leben. Hatte Angst, nicht sorgfältig genug gewesen zu sein, hatte Angst vor der Dunkelheit, hatte Angst vor der Leiche, hatte Angst vor sich selbst.
Der niedrig hängende Ast traf ihn mit Wucht. Er fühlte das Blut an seiner Schläfe, taumelte noch ein paar Schritte weiter, stolperte, blieb liegen. Die Dunkelheit wurde schwarz.

Urs stand auf, ging in die Küche und erbrach sich ins Spülbecken. Am nächsten Morgen fuhr er zu Evelyne in den Laden und erzählte: Ich erinnere mich wieder. Wirklich nur ein dummer Unfall. Brauchte eine Pause. Wollte ein paar Schritte gehen. Musste mal den Kopf frei bekommen.
Urs fand das für ein paar Sekunden witzig.

Eine Woche später trennte er sich von Evelyne. Wieder eine Woche später rief er im Kantonsspital von Richterswil an und fragte nach Schwester Angehrn.