Donnerstag, Oktober 19, 2006

In schlechter Tradition hätte ich ja mal wieder ein angefangenes, aber nicht fertig gestelltes SZ-Kurzkrimidings im Angebot. Begonnen schon recht früh, dann schlicht vergessen. Vergessen! Und das, wo ich ansatzweise mal eine Idee hatte, wie das alles enden sollte. Nämlich am Ende des Anfangs, im Ledergeschäft. Dazwischen Reihung von Flashbacks. Nun ja.

Das Ledergeschäft bestand aus zwei Abteilungen. Die eine war für Jugendliche und eher durchschnittliche Steuerzahler, mit Sonderangeboten bis knapp unter einem Tausender. Die andere war äußerst exklusiv und lag buchstäblich eine Ebene über dem Rest des Ladens.
Der charakteristische Geruch von Haut und Leder wurde mit jedem Schritt, den ich weiter in den Laden tat, stärker. Als ich die vier Stufen zur Oberklasse hinauf-stieg, fiel mir ein anderer, unbestimmter Geruch auf…

(bis hierher SZ-Vorlage)

…der, je näher ich kam, immer bestimmter wurde. Ich hielt kurz inne, inhalierte, wollte umdrehen. Tat es nicht.
Niemand war zu sehen. Jedes Designer-Label hatte seine eigene kleine Boutique-artige Nische hier oben. Die wenigen Menschen, die sich ohne Scheu her wagten, verschwanden hinter schlichten, dezent beleuchteten Regalen.
Ich ging ein paar Schritte über den Dielenboden. Er knarrte nicht. Auch sonst war es still.
Dann eine Frauenstimme, laut, aber nicht unangenehm. Sie kam aus einer Ecke schräg links vor mir und ließ das diffuse Aroma kurz aus meiner Nase verschwinden.
»Und in grün mit lila Applikationen?«
Aus der Nische rechts – direkt auf meiner Höhe – die Antwort. Eine Männerstimme. Leise, weich, durchdringend. Ein leicht spöttischer Singsang darunter. Noch wie damals.
»Du bist albern«, sagte die Stimme. Ich konnte sie lächeln hören. Und wieder riechen. Geruch und Stimme gewannen an Dichte.
Nicht hinschauen. Schritt nach vorne. Vorbei an der Ecke.
Nutzlos. Ich wusste, er hatte mich gesehen. Meine Sinne waren in seiner Nähe stets am Anschlag gewesen. Ich blieb stehen und wartete.

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»Da bist du.«
»Da bin ich«, sagte er.
Später stand er auf, stellte sich nackt vor das geöffnete Hotelfenster und blickte auf die belebte Straße. Meine Idee von der Romanze mit einem Verbrecher wollte, dass er dabei rauchte. Doch kein Klischee von ihm. Nicht für mich. Ich war das einzige Klischee.
Ich wollte ihm erneut sagen, dass ich ihn liebte, traute mich wieder nicht. Also sagte ich anderes, nur um irgendetwas zu sagen.
»Ich habe das vermisst.«
Er nickte.
»Wann und wo dieses Mal?« fragte ich.
Er antwortete knapp – nur auf den ersten Teil der Frage.
»Darf ich wissen, wer?«
Kopfschütteln. »Du weißt ohnehin schon zu viel.«
»Ich würde es nicht verraten.«
»Ja, vielleicht würdest du das wirklich nicht.«
Er drehte sich um.
Wieder später war er es, der zuerst ging.
Ich verstand es, als zwei Polizisten nur wenige Tage darauf vor mir standen, um der frischgebackenen Witwe ihr Beileid auszusprechen.
Wann? Er hatte nicht gelogen.
Nach Wochen des Wartens überlegte ich, ob ich reden sollte, ob ich von ihm erzählen sollte, seinen Namen nennen sollte. Nur, um ihn wieder zu sehen -- egal, zu welchem Preis für uns beide. Doch ich hatte auch nicht gelogen.

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»Das ist schon sehr unglaublich, findest du nicht?« Ich erwartete eigentlich keine Antwort.
»Ich habe dich gerade geküsst. Ich glaube es.«
»Wie lange ist es her?«
»Ist das wichtig?«
»Nein.«
Ich wich ein paar Schritte zurück und schaute ihn an.
»Du bist gewachsen.«
»Du bist verheiratet.«
»Ist das wichtig?«
»Nein.«

etc.pp.