Donnerstag, Oktober 19, 2006

(Warum die SZ-Kurzkrimiwettbewerb-Krimis bei mir nie fertig werden, weiß ich nu' auch nich' genau*.)

Er rollte die Absperrung zusammen und lehnte sie gegen einen der Pfosten. Der Cadillac fuhr auf das von grauem und gelbem Gras bedeckte Gelände, das das Gebäude umgab. Die Landschaft war hügelig und durch Rainbecken gegliedert. Der lehmige Boden von Wasser durchtränkt. Auf den Kuppen und in den schmalen Tälern sah man kleine kahle Wälder, die sich schwarz vom schwärzlichen Grün der Wiesen und grau vom grauen Himmel abhoben.
(Bis hier Vorlage der SZ für den Juli.)

Völliger Schwachsinn, auf deutschen Straßen mit so einem Schiff rumzuschippern. Aber es steht ihr, verdammt, es steht ihr. Frohn seufzte hingerissen.
Der Wagen kam zum Stehen. Der rechte Vorderreifen nur Millimeter vor der Stelle, an der er sich vorhin das zweite Mal übergeben hatte. Knapp. Schade.
Kommissarin Graf stieg aus. Nahm, ohne ein einziges Wort gesagt zu haben, Besitz. Die wenigen Sekunden, die sie zu Frohn brauchte, reichten, um sich alles zu Eigen zu machen. Die Absperrung, den Pfosten, das Haus, den lehmigen Boden, die Männer von der Spurensicherung, die darüber trippelten, die Leiche da hinten in der Senke. Frohn gehörte ihr sowieso. Gräfin Graf und Frohn. Manchmal hat das Leben reichlich alberne Ideen, dachte der Assistent zum zahllosesten Mal.
»Du siehst nicht gut aus. So schlimm?«
Frohn grinste gallig, deutete wortlos auf die Kotze.
»Huch! Ganz schön knapp«, kommentierte sie. Fast ein Echo seiner Gedanken.
»Das ist das Widerlichste, das ich je gesehen habe«, verteidigte er sich.
»Echt? Also ich kann mich beeindruckender übergeben.«
»Blabla. Komm mit.«
»Ich folge dir, wohin immer du gehst.«
Frohn verdrehte die Augen. Kapriziöses Miststück.
»Sie hätten uns den Fall nicht geben dürfen«, sagte er, während sie sich dem Fundort näherten.
»Aha?«
»Das ist nichts für eine Frau, wirklich nicht.«
Sie blieb stehen.
»Du sorgst dich ja um mich.«
»Das überrascht dich?«
»Sollte es mich nicht überraschen?«
»Muss du jede meiner Fragen mit einer Gegenfrage beantworten?«
»Mache ich das?«
Frohn seufzte, abermals hingerissen. Sie lächelte ihn an.
»Also ist es wirklich schlimm?«
»Sehr.«
Nachdem Frohn ihr die Leiche gezeigt hatte, sah auch sie etwas lädiert aus. Sie saß vor der Haustür auf der schmutzigen Treppe, scherte sich einen Dreck um die Flecken, die dadurch auf den feinen Tweedstoff ihres Kostüms gerieten, rauchte und schwieg.
»Was für eine unfassbare Scheiße ist das eigentlich? Da will mich doch wer verarschen!« sagte sie plötzlich mit einer gehörigen Portion Unglück in der aufgebrachten Stimme...

(*Und natürlich weiß ich es ziemlich sehr genau. Es ist die Methode, die ich hinter einem guten Krimi, sei er noch so kurz, vermute. Ich glaube ja fest, dass man im Kopf mit der Lösung beginnen muss, auch wenn der relativ frisch mit Alex Delaware infizierte Gunnar heute in den Ausläufern eines 'Gottchen, der ist ja so super, der Kellerman'-Gesprächs was anderes mutmaßte. Dass man eben doch mit einem Satz, mit der Tat beginnen kann und alles andere später kommt. Ich glaub das ja nicht. Blöd ist dann, dass ich immer, immer mit einem Satz einfach so beginne. Methode war nie meins.)