Weiß gar nicht, ob das nicht nur eine Filmklamotte ist. Etwas, das sich mal irgendwann ein Pretty-Hollywood-Drehbuchautor ausgedacht hat. Das mit den Huren und dem Küssen. Dass Huren ihre Freier eben nicht auf den Mund küssen, weil ein Kuss das mitunter intimste ist, was man so im Laufe des Daseins mit jemandem teilen kann. Aber hey, es gibt
Küssen A und
Küssen B. Kollege Siegismund würde zu Kategorie B Knutschen sagen. Passt ganz gut, weil das Wort dem Tun die Bedeutung nimmt. Was nichts daran ändert, dass es verdammten Spaß macht. Aber Counterstrike macht ja auch Spaß und hat keinerlei Bedeutung.
Zurück zu
Küssen A. Und zurück zum Film. Sah gestern Abend
The Whole Wide World. Ist so eine Low-Budget-Geschichte, die unter Sony Classics veröffentlicht wurde. Muss mir dringend Sony Classics merken. Immerhin haben die mir jetzt schon zwei der tollsten Filmküsse ever geliefert (den anderen gibt es in
Laurel Canyon zu sehen). Es existieren tatsächlich Menschen, die können so gut vor der Kamera Küssen A faken, dass man es nicht fasst. Ich sitze dann immer stocksteif so rum und denke...gar nichts mehr. Küssen A funktioniert natürlich in Filmen nur, wenn vorher ein Schlimmschlimmschlimmer-Beziehungsdrama oder ähnliches ablief. Ohne klappt das nicht so recht.
In The Whole Wide World wird die Geschichte von Robert Ervin Howard erzählt. Den Namen mögen manche kennen und richtig zuordnen können. Das ist der Mensch, der uns immer mal wieder auf RTL2 oder ähnlichen Spartenkanälen (muahaha) mit
Conan, der Barbar oder
Red Sonja beglückt. Will meinen, der hat die »Bücher« geschrieben. Der Film selber basiert auf der Erzählung seiner Freundin, seiner großen Liebe. Die verließ ihn (obwohl die beiden nie richtig zusammen waren) irgendwann 1935. Aus durchaus verständlichen Gründen. Irgendwie. Und irgendwie wieder nicht. Nur drei Wochen später hat sich Robert E. erschossen. Böse tragisch. Hatte zudem was mit Roberts Mutter zu tun. Aber das nur nebenbei. Bemerkenswert ist vielmehr: Sollte die Geschichte von Novalyne Price (Bobs Freundin) auf Tatsachen basieren (wovon ich jetzt in meiner weiblichen Naivität einfach mal ausgehe), dann war der Mann, der den »indomitable warrior-hero battling supernatural evil«* quasi erfunden hat, nicht der Mensch, für den man ihn gemeinhin würde halten können.
Der Kuss jedenfalls. Der eine. Der war so unglaublich. So...waaah! Waaah, waaah! Übrigens ist der Film als ganzer ziemlich waaah. Was ich irgendwie wusste. Immerhin spielt
Jaleckmichamarsch die männliche Hauptrolle. Scheiße, ist der Mann gut. Kann man sich mal von überzeugen. Schad'nix.
*Carter, Lin, "The Introduction: Of Warriors and Wizards“, In: Flashing Swords! Bd.4, NY, 1977, 12.Zu irgendwas müssen Uni-Hausarbeiten und ihre Bibliographien ja gut sein. Und wenn es nur Angeben ist.
zusätzliche Notiz: In Zukunft -- selbst wenn ich aufs Harscheste eine extreme Meinung vertrete -- wie ein angefahrenes Reh schauen. Renée Zellweger (Novalyne Price) schaut immer wie ein angefahrenes Reh. Und verdammt ja, ich weiß sehr genau, wie angefahrene Rehe schauen. Das ist gar nicht witzig. Und die wenigsten bekommen dafür einen Oscar. Vielleicht lasse ich es dann besser.