In der aktuellen GameStar haben wir den Test zum Actionspiel 'Der Pate', basierend auf dem Film, nicht auf dem Buch. Würde das Spiel auf dem Buch basieren, fände ich es auch nicht wesentlich spannender. Mich langweilt dieser Ehre-der-Familie-Klimmbimm so entsetzlich, dass Männer, die Mario heißen, bei mir von vornherein verschissen haben. (Das ist natürlich kompletter Kappes, aber der Satz gefällt mir.) Mein Vater war da übrigens sehr anders. Der sagte mal irgendwann, ich weiß nicht mehr in welchem Zusammenhang, dass er, wäre er Italiener und in der richtigen Stadt geboren, sicherlich Mafiosi geworden wäre. Ich habe ihm das damals nicht recht abkaufen wollen und will es auch heute im Nachhinein nicht, dafür war er eigentlich zu lieb. Cholerisch zwar, sturr, nachtragend, häufig ungerecht und selbstgefällig, doch im Herzen ein guter Mensch. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass er dem Mythos Mafia aufgesessen war. Ist wohl auch ein weit verbreitetes Männerleiden, insofern nix besonderes. Er liebte die Filme, er liebte das Buch. Das stand deshalb auch bei uns im Regal. Und ich, so im Alter von 13, arbeitete mich gerne mal durch das Regal, weil ich die Einbände der Bücher da so hübsch fand. Viele hatten diese edlen Rücken, auf denen nur ganz dezent der Name des Autors und der Titel des Schriebs vermerkt waren -- ohne bunten Schutzumschlag. So verhielt es sich auch mit 'Der Pate'. Eines Nachmittags also (man möge sich hier bitte die aus Film und Fernsehen reichlich bekannte Szene vorstellen, in der eine Person an einem Regal entlang geht, mit unentschlossenem Blick, die Finger über die Buchrücken streichen lässt, plötzlich innehält etc.pp.) schnappte ich mir besagtes Buch, legte mich auf Vaters Sofa-Platz, weil der nun wirklich am bequemsten war und begann zu lesen. Ich fand es schrecklich öde. Und fragte mich, wie man den sowas nur gut finden kann. Das war ja fast schlimmer als 'Der Zauberberg', den ich kurz vorher ausprobiert hatte (seitdem haben Thomas Mann und ich übrigens ein gespanntes Verhältnis). Es dauerte dann aber wirklich nicht mehr lange, es war Seite 14 oder 23 oder so unten, letzter Absatz. Plötzlich war das Buch alles andere als öde. Die
Fickszene an der Tür. Mit dem Köcher, den Pfeilen. Hui! Sowas hatte ich ja auch noch nie gelesen bis dahin. Mir war es fast ein wenig unangenehm trotz der Spannung, fühlte ich mich doch so, als hätte ich ein schreckliches Geheimnis meines Vaters entdeckt. Nach der Szene musste ich das Buch dann erst mal weg legen und mich wieder beruhigen. Und während ich so da lag und das Buch neben mir auf dem Tisch, kam mein Vater rein, sah den Puzo, schnappte ihn sich und verbot mir, ihn weiterhin zu lesen. Aus dem Jetzt betrachtet, finde ich das ein bisschen albern von ihm. Damals konnte ich es verstehen. »Zu spät«, dachte ich jedoch nur.
In der folgenden Woche, in irgendeiner Freistunde, die ich und Freundinnen in der Stadtbibliothek verbrachten, habe ich allen die Stelle des Buchs nicht ohne gewissen Vorsprungs- und Entdeckerstolz gezeigt. Man war dann auch gebührlich beeindruckt. Und wenn meine Eltern nicht in der Nähe waren, las ich sie zuweilen daheim. Bin lustigerweise jedoch nie darüber hinaus gekommen und habe nie die Filme gesehen.
An all das musste ich denken, als ich mich neulich nach langer Zeit mal wieder mit Herrn Fry unterhielt (den ich über den
Puzo kennen lernte) und für zirka 3,5 Stunden in ihn verliebt war, weil er so gut
zuhören zulesen kann.