Okay, gelogen. Ich hab gar nicht, wie eins weiter unten behauptet, die ganze Feiertagsfreizeit mit Turnen gegen den Dritten Kreuzzug verbracht, sondern ich saß auch einfach mal nur so rum und versuchte, Löcher in 90 Zentimeter dicke Bruchsteinmauern zu starren, was mir wohl wegen der darüber gespannten Tapeten nicht gelang. Oder ich unterhielt mich mit meiner Mutter über die seltsamen Attitüden der Mittefuffzich-Nachbarin, die noch immer steif und fest behauptet, sie und ihr Dauerfreund würden getrennt nächtigen. Das ist nicht mal das Interessante. Interessant ist, dass sie das sogar behauptet, wenn niemand Anlass zum Behaupten gibt:
»Sieht nach Regen aus.«
»Der Peter und ich, also wir schlafen ja in getrennten Zimmern.«
Nach dem Satz muss man sich unbedingt noch ein gequiektes »Period!« dazu denken, auch wenn die Mittefuffzich-Nachbarin gar nicht Englisch spricht.
Oder ich las. Ich las die Rückseiten der Shampoo-Flaschen unter der Dusche. Ich las die Bergische Landeszeitung. Letzteres macht große Freude, wenn man einen Rotstift zur Hand hat. Mindestens die Hälfte des Lokalteils schreit immer nach dem Klassiker: ganzen Artikel durchstreichen plus »Neu und anders!« daneben kritzeln. Dabei genervt mit den Augen rollen.
Ich las auch den neuen Goldt (QQ) zur Hälfte, dann verschenkte ich ihn. Beim Erstehen sorgsam kalkuliert: »Hui, kannste bis zur festlichen Übergabe vorschnabulieren. Jedoch Obacht dabei, Frau Schmitz! Schokolade vermeiden! Flecken vermeiden!« Schlag ich also das Buch abends im schokofreien Bett mit spitzen Fingern auf und entdecke auf den ersten beiden Seiten Daumenabdrücke. Zwar eindeutig welche auf Druckerschwärzebasis, aber! Also!
Auch las ich den neuen Kaminer (Mein Leben im Schrebergarten) halb und lese nun den Rest. Und ich las in Gänze Gernhardts Toscana-Therapie, was leicht war, weil kurz, weil Schauspiel und weil gefällig geschrieben. Ich las sogar, weil's gar so kurz war und der Vormittag so lang noch, die Zusammenfassung auf Seite 2. Auf Seite 2 auch eine Kritik, aus marktschreierischen Gründen dort platziert. Die muss ich jetzt mal fix in Gänze niedertippen:anderes-aber-wahrscheinlich-mit-Pilcher-Abende. Doch hätte ich eigentlich Anlass, über den Herrn Nürnberger Nachrichten zu stinkern, ist das nicht alles ziemlich sehr Lappalie? Sicher, gestehe ich einsichtig. Na dann eben so: Wäre ich 1986 Robert Gernhardt gewesen, hätte ich dem Herrn Nürnberger Nachrichten einen nasereizenden Haufen vor die Tür gesetzt, darin ein Wimpel auf dem »Was meinen Sie, Sie blasierter Nürnberger-Nachrichten-Clown? Wieder fast Oscar Wilde erreicht? Und wo ist überhaupt Nürnberg?« zu lesen gewesen wäre. Bei meiner Seel und der heute Jahrestag feiernden Zeitverschwendung hier: Das wäre zumindest ein erster möglicher wie nachvollziehbarer Rache-Impuls gewesen. Dann aber wäre Gernhardt vom »fast Oscar Wilde« am Ende noch mal zum »durchschaut« am Anfang gehüpft und hätte den Herrn Nürnberger Nachrichten vielleicht nur kurz angerufen und »Sie haben Recht!« gesagt.
Dieser recht lange Text entstand lediglich, um der Botschaft, dass dieses Blog heute Vierten feiert, einen Rahmen zu verpassen. Ich wollte noch Torte unterbringen, dann aber fiel mir ein, dass ich am ersten Weihnachtstag bereits zwei Stücke Käsesahne hatte.
»Sieht nach Regen aus.«
»Der Peter und ich, also wir schlafen ja in getrennten Zimmern.«
Nach dem Satz muss man sich unbedingt noch ein gequiektes »Period!« dazu denken, auch wenn die Mittefuffzich-Nachbarin gar nicht Englisch spricht.
Oder ich las. Ich las die Rückseiten der Shampoo-Flaschen unter der Dusche. Ich las die Bergische Landeszeitung. Letzteres macht große Freude, wenn man einen Rotstift zur Hand hat. Mindestens die Hälfte des Lokalteils schreit immer nach dem Klassiker: ganzen Artikel durchstreichen plus »Neu und anders!« daneben kritzeln. Dabei genervt mit den Augen rollen.
Ich las auch den neuen Goldt (QQ) zur Hälfte, dann verschenkte ich ihn. Beim Erstehen sorgsam kalkuliert: »Hui, kannste bis zur festlichen Übergabe vorschnabulieren. Jedoch Obacht dabei, Frau Schmitz! Schokolade vermeiden! Flecken vermeiden!« Schlag ich also das Buch abends im schokofreien Bett mit spitzen Fingern auf und entdecke auf den ersten beiden Seiten Daumenabdrücke. Zwar eindeutig welche auf Druckerschwärzebasis, aber! Also!
Auch las ich den neuen Kaminer (Mein Leben im Schrebergarten) halb und lese nun den Rest. Und ich las in Gänze Gernhardts Toscana-Therapie, was leicht war, weil kurz, weil Schauspiel und weil gefällig geschrieben. Ich las sogar, weil's gar so kurz war und der Vormittag so lang noch, die Zusammenfassung auf Seite 2. Auf Seite 2 auch eine Kritik, aus marktschreierischen Gründen dort platziert. Die muss ich jetzt mal fix in Gänze niedertippen:
»Wir sind durchschaut. Robert Gernhardt, der leise Chronist in Bildern und Worten, kennt uns alle. Er weiß vor allem in der sogenannten Szene Bescheid mit den grau gewordenen Alt-68ern und den immer unheimlich spontanen Jungintellektuellen. Gernhardt ist ein witziges Stück gelungen, das manchmal fast Oscar Wilde erreicht.« Nürnberger NachrichtenMan soll ja nicht schlecht über Tote reden. Und weil der Herr Gernhardt -- über den ich weder beileibe noch entleibt schlecht reden möchte, auch wenn er für alle (auch die miesen!) Otto-Filme mitverantwortlich war -- bereits tot ist, könnte es ja durchaus angehen, dass der Herr Nürnberger Nachrichten auch schon das Zeitliche gesegnet hat, immerhin schrieb er die Kritik 1986. Aber bitte, wir wissen: Wäre Nettigkeit gegenüber Vermoderten Gesetz, wären ganze ZDF-Doku-Abende keine, sondern ZDF-irgendwas-
Dieser recht lange Text entstand lediglich, um der Botschaft, dass dieses Blog heute Vierten feiert, einen Rahmen zu verpassen. Ich wollte noch Torte unterbringen, dann aber fiel mir ein, dass ich am ersten Weihnachtstag bereits zwei Stücke Käsesahne hatte.
