



CoD 4 -- Overgrown: mit ziemlicher Sicherheit die aktuell schönste Multiplayer-Map in diesem und in jedem anderen Universum.




Ich will einen Roman schreiben, weil ich morgens zwischen 7:00 und 9:00 Uhr noch Zeit hätte? Weil's ganz nett wäre, die Welt spaßeshalber mal gegen Geld mit meinen Gedanken zu belästigen? Weil man damit so hübsch Männer beeindrucken kann?(Petra-Kenner werden wissen, wie sie die 100 Prozent Motivation für dieses Textlein in Lust an der Frotzelei, Lust an der Idee für die Klammer und Wahrheit aufzuteilen haben.
»Oh, was Sie soeben sagten, schrieb ich schon in meinem ersten Roman.«
»Sie haben einen Roman geschrieben?«
»Aber ja doch.«
»Ich bin beeindruckt! Wollen Sie mich heiraten?«
Ich will einen Roman schreiben, weil ich dabei bräsig auf dem Hintern sitzen und Unmengen Kaffee wie Kippen konsumieren darf? Weil ich Menschen abmurksen könnte, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden? Weil Ruhm? Weil Ehre? Weil Unsterblichkeit?
Fakt ist: Ich will gar keinen Roman schreiben. Ich lese nicht mal besonders gerne welche. Dreiviertel aller Romane belästigen den Leser mit inhaltslosen Schwallereien über noch inhaltslosere Begebenheiten, nur damit der Autor später das »Roman« überhaupt rechtfertigen kann. Deswegen ein Hoch auf die Kurzformen! Je nach Länge passen Kurzformen übrigens auch perfekt in die Zeit zwischen 7:00 und 9:00 Uhr morgens.
Schreiben Sie einen Satz, der mit folgenden Worten beginnt:Innerhalb von einem Nichts an Zeit (halbe Stunde maximal) fielen mir folgende Minitextleins ein:
Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir ...
Sie können natürlich auch mehr schreiben, aber wenn Ihnen nur ein Satz dazu einfällt, dann ist das auch in Ordnung.
1) Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass er mich an einen Zigeuner verkauft habe. Den Preis verriet er mir nicht. Aber ich muss wohl genug für eine dicke Zigarre eingebracht haben. Er machte sie sich vor meinen Augen an und blies mir den Rauch ins Gesicht.Und nun der Bogen zu Gunnar. Der behauptete nämlich mal in einem Gespräch, dass wir beide wohl zu den Menschen gehören, die eine Aufgabe brauchen, um in die Hufe zu kommen. Ich wehre mich innerlich noch immer gegen diese Behauptung, aber ach ...
»Er holt dich in einer halben Stunde ab. Mach dich fertig, du Schmarotzer.«
Ich hustete nicht, ging in die hinterste Ecke der Hütte zu meiner Schlafstatt, schnürte meine wenigen Schätze in ein Säcklein und setzte mich dann draußen auf die Bank, um zu warten. Mit meinem Vater sprach ich kein Wort mehr.
Wenig später sah ich eine Gestalt durch den Wald näher kommen. Zunächst erkannte ich nur einen Schatten zwischen den Bäumen. Als der Mann schließlich auf die Lichtung trat, brach die Sonne durch die Wolkendecke und hüllte ihn in gleißendes Strahlen. Ich stand auf und ging ihm beherzt entgegen.
»Hallo, mein Name ist Hubertus«, stellte ich mich vor.
»Hallo Hubertus, mein Name ist Jannik. Du gehörst nun zu mir«, entgegnete er mit einem Lächeln.
Schönere Worte hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gehört.
2) Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, dass ich ja wohl langsam mal die Sauerei von der Party beseitigen könne. Ich antwortete, dass das doch die Putze mache. Die käme in einer Stunde oder so.
»Dein Leben hätte ich gerne gehabt«, seufzte er und ließ mich wieder mit den drei blonden wie nackten Models allein.
Mein Vater ist echt 'ne Nummer.
3) Am Tag nach meinem achten Geburtstag sagte mein Vater mir, ich könne ihm mal den Buckel runter rutschen.
»Na schön, auf deine Verantwortung«, stimmte ich zu. Dann rutschte ich ihm den Buckel runter.
Ich ahne verdutzte Blicke auf Leserseite. Nun, man muss wissen, dass mein Vater der Watzmann ist. Und was für ein Glück wir übrigens hatten! Es war eine tiefe, mondlose Nacht und niemand, nicht mal meine Mutter, sah, was mein Vater und ich für einen Unsinn veranstalteten. Das hätte ja die ganze Geologie auf den Kopf gestellt. Sie glauben mir nicht? Ach, rutschen sie mir doch den Buckel runter!