Dass ich in letzter Zeit hier so wenig hab verlauten lassen, hat zwei simple Gründe: Unlust und
Pirates of the Burning Sea. Gegen die Unlust kann ich nichts machen, wenn die da ist, ist die da. Und sie geht erst, wenn sie keine Lust mehr hat, da zu sein. Gegen Pirates of the Burning Sea könnte ich hingegen schon was tun. Ich könnte es weniger spielen. Doch warum sollte ich, wenn es mir eine solche Freude bereitet? Zwar ist die Karibik, die zu Beginn noch grenzenlos schien, kleiner geworden, die Seemeilen zwischen Jenny Bay und Ambergris oder zwischen Spanish Town und Belle Isle sind längst nicht mehr so abenteuerlich, wie sie zu Beginn waren. Dennoch fasziniert mich das Szenario nach wie vor. Vielleicht, weil es eine prima Mischung aus wirklicher Vergangenheit und Erdachtem ist und sich somit angenehm vom üblichen Fantasy-Brei abhebt. Vielleicht, weil ich es leid bin, 20 [hier Monstername einfügen]-Schwänze/Ohren/Blabla aus irgendwelchen blöden Gründen an irgendwen zu liefern. Die Aufgaben in PotBS reduzieren sich in acht von zehn Fällen zwar auch nur auf das Versenken von Schiffen, aber wirklich großartige und teilweise enorm witzige Geschichtleins bilden ein schönes Drumherum. Und in welchem MMO sonst kann man schon Molière zum Besten geben -- mit reichlich dramaturgischem Freiraum?
Doch das Allergrößte sind zweifelsohne die Schlachten gegen Spieler anderer Nationen. Kleinere Scharmützel (maximal sechs gegen sechs) sind oft schon aufregend genug, um Menschen mit Herzschwäche ernsthaft zu gefährden. Immerhin geht es dabei nicht nur um den Sieg, sondern auch um ganz schön viele Dublonen. Schiffe sind alles andere als preiswert. Hafenschlachten, in denen 24 Pötte gegen 24 Pötte ansegeln, lassen sich von meiner persönlich Aufregungsskala nicht mehr erfassen. Ich weiß nur, dass mir regelmäßig ein wenig übel ist, bevor es losgeht. Das war schon so, als meine Society (aka Gilde) noch auf dem deutschsprachigen Server Bonnet rumschipperte. Jetzt, nach erzwungenem Umzug auf einen
englischsprachigen ist es noch mal ein Quentchen schlimmer, denn irgendwer (ich glaube, ich war es selbst) hat mich zum Kindermädchen für die Amerikaner und Engländer auserkoren, wenn die Schlacht auf Deutsch geleitet wird. Eine Sechsergruppe zu kontrollieren, simultan die Anweisungen der Leitung zu übersetzen und mit der eventuelle Unstimmigkeiten zu besprechen sowie gleichzeitig das eigene Schiff und die Feinde im Auge zu behalten -- nun, ich hatte gestern Abend nach der Schlacht gegen die Piraten bei Cabo Raphael (gewonnen) tatsächlich Kopfweh. Wohl ein Zeichen dafür, dass ich alt werde. Aber gleichzeitig wohl auch ein Zeichen für Hingabe. An ein Spiel. Dafür werde ich offensichtlich nie zu alt. Schön.