Neulich war mir nach Rollenspiel. Da war mir nach großem Abenteuer in fremden Landen, nach Heldentaten, von denen folgende Generationen Lieder singen würden. Dragon Age: Origins sprang mich förmlich an, und ich wich nicht aus. Ich hätte es tun sollen, denn nach etwa einer Stunde war mir schon die Lust vergangen. Zu lasch, zu uninspiriert die Erzählung, zu farblos die Charaktere. Nichts packte mich. Alles nervte nur. Ich gab enttäuscht auf. Wieso ich dann ausgerechnet nach dem bis dahin noch ungespielten Mass Effect von 2007 (Xbox 360) beziehungsweise von 2008 (PC) als Ersatz griff, ist mir noch immer nicht klar. Immerhin stammen Dragon Age und Mass Effect aus dem selben Entwicklerhaus, doch nicht vom gleichen Team. Ich glaube, es hatte minimal etwas damit zu tun, dass mir der Name Shepard durchaus geläufig war und ich mal gehört hatte, dass er/sie (je nach Spielervorliebe) ein bemerkenswerter Charakter sei und damit, dass der Mann respektive die Frau mit einer Stimme bedacht worden ist. Mit einer sehr passenden Stimme. Zumindest die weibliche Shepard-Variante in der englischen Version. Das Alter Ego in Dragon Age bleibt stumm. Ein gigantisch idiotischer Fehler!
Wie auch immer -- statt Dragon Age also Mass Effect. Statt Fantasy plötzlich Science Fiction. Ich war skeptisch. Ungefähr bis zu dem Moment, in dem ich das erste Mal die
Menü-Musik hörte und instinktiv wusste: Das wird was. Fort war die Skepsis. Und die kam auch nicht mal ansatzweise wieder. Ich hab' gelacht, ich hab' geflucht, ich hab' gejohlt, ich hab' vor Freude in die Hände geklatscht, ich hab' gezittert wie Espenlaub. Ich hatte in den ungefähr 17 Stunden so oft eine Gänsehaut, wie im bald vergangenen 2009 zusammen nicht. Und warum? Weil Mass Effect eine unfassbar großartige Geschichte erzählt, die im richtigen Verhältnis gute und durchdachte Fragen stellt, gute und durchdachte Antworten liefert sowie gute und durchdachte Überraschungen präsentiert. Mit großartigen Figuren, die in großartigen Dialogen großartige Sätze sagen und einem deswegen recht bald wirklich wichtig werden.

Ashley oder Kaidan? ASHLEY ODER KAIDAN? NEEEEIIIIIIN ...
Das alles in großartigen Bildern. So großartig, dass nicht mal das oft entsetzliche Leveldesign, die saublöde Inventarverwaltung und die ganzen anderen Macken an der Großartigkeit kratzen können. So großartig, dass ich die gesamten Credits (
mit fulminant passender Musik unterlegt) mit einer Mischung aus schmerzlicher Wehmut und brodelnder Euphorie über den Bildschirm hab' laufen lassen. Vor etwa anderthalb Stunden war das. Und ich bin noch immer völlig weggebeamt. Das wird sich wahrscheinlich auch den Rest des Tages nicht ändern.
Mass Effect, ein Spiel, wie es nur alle Jubeljahre auftaucht. Wobei -- es ist als Trilogie angelegt, Teil 2 erscheint bald. Und Kollege Matschijewsky, der's aus Testgründen schon spielen darf (aaaargh!), behauptet ... ach, egal. Ich kann's jedenfalls kaum erwarten, wieder in die Normandy (Version 2) zu steigen.
Oh Gott, oh Gott, oh Gott! Milchstraße, Citadel, Kaidan (logisch), ich komme wieder!

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